Was hält die Gesellschaft zusammen? genügt es, wenn der Staat dem Bürger bloße Gesetzestreue abverlangt? Die Autorin bietet eine systematische Einführung in die Philosophie Jean-Jacques Rousseaus, für welche die genannten Fragen zentral sind.Denn Rousseau misstraut einer rein rechtlichen Begründung des Staates und sucht nach einem Band, das die Bürger auch emotional an das Gemeinwesen fesselt und auf diese Weise für Bürger- und Gemeinsinn sorgt. Seiner Ansicht nach kann es gute Politik ohne Moral und Moral ohne Religion nicht geben. Doch eine öffentlich propagierte Religion muss ihm zufolge ein Erzeugnis des Willens der Bürger sein, unablösbar von der rationalen Konstruktion der Gesellschaft durch den Sozialvertrag.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.06.2007
Reinhard Brandt sagt es ganz offen: Die Details von Michaela Rehms "sorfältiger" Untersuchung zu Rousseaus politischer Philosophie haben in seiner Rezension buchstäblich keinen Platz. Lieber erklärt Brandt uns den Unterschied zwischen Rousseaus Zivilreligion und heutigen pseudoreligiösen "Wir-Events (Papstwahl, Fußball-WM)". Und er verweist pauschal auf die von Rehm zusammengetragene "Fülle von Reflexionsmaterial". Daran, dass der Band der Rousseau-Forschung von Nutzen sein wird, hat Brandt keinen Zweifel, schon deshalb nicht, weil er in ihm eine "energische Zusammenführung" bisheriger Erkenntnisse sieht.
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