Michail Prischwin

Michail Prischwin: Michail Prischwin, Tagebücher, Band III, 1936

Cover: Michail Prischwin: Michail Prischwin, Tagebücher, Band III, 1936
Guggolz Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783945370506
Gebunden, 437 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Eveline Passet. Michail Prischwin (1873-1954) versuchte in seinen Tagebüchern zu verstehen, was um ihn herum passierte, und die Zeichen seiner Zeit zu entschlüsseln, in Alltagsbeobachtungen ebenso wie auf innersowjetischen Reisen, in Lektüremitschriften wie in Beschreibungen der Natur und steter Selbstbeobachtung. Im Zentrum des Jahres 1936 steht die Erkundung der Kaukasusregion Kabardino-Balkarien: Dort regiert der charismatische Führer Betal Kalmykow, der Prischwin umgarnt und ihn fasziniert, ihm aber auch bedrohlich erscheint. Vor Ort gewinnt Prischwin intime Einblicke, zeichnet sie akribisch auf - und nimmt Annehmlichkeiten, wie etwa ein Auto, gerne in Anspruch. Parallel dazu denkt er über das brüchige Gleichgewicht von Macht, Fortschritt und Gewalt nach. Neben der Reise an die sowjetische Peripherie ist Prischwin 1936 auch in Moskauer literaturinterne Machtkämpfe verstrickt, auf Schriftstellertagungen, in Briefwechseln und öffentlichen Auseinandersetzungen. Er kämpft um literarische Anerkennung und dadurch verbundenen Schutz, um ausbleibende Ehrungen und politischen Einfluss. Hell leuchten in Eveline Passets fast seismographischer Übersetzung die Momente, in denen Prischwin sich der Ambivalenzen seiner Existenz bewusst ist: "Ich will nicht geküsst werden, und zugleich ist es kränkend, unbeachtet zu bleiben." Das Tagebuch, in gefährlichen Zeiten einziger Raum für freies Denken, gewinnt für ihn zunehmend an Bedeutung. Sein Wert für uns Nachgeborene, süchtig danach, Erkenntnisse und Parallelen zu unserer Zeit zu finden, scheint heute unschätzbar.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2025

Rezensentin Judith Leister liest den das Jahr 1936 abdeckenden dritten Band von Michail Prischwins Tagebüchern als Dokument der Zerrissenheit des Autors. Wie Prischwin sich vom Antisemitismus seiner Zeit infizieren lässt oder sich verrennt beim Austeilen gegen Schriftstellerkollegen, kann der Leser hier laut Leister erfahren. Reiseberichte aus dem Kaukasus, zu Volksfesten und Jagden, begeistern die Kritikerin. Daneben stehen "funkelnde" literarische Skizzen oder Wahrnehmungen von Umsiedelungen, Ausbeutung und Russifizierung, erläutert sie. 

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