Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Michel Houellebecqs Lyrik ist gezeichnet vom Schrecken über die Wiederholungen des Lebens und dem Moment zugewandt: Gedichte wie Songtexte. Sie lassen sich als ein einziges großes Parlando lesen - autobiografisch, bekenntnishaft und unangestrengt. Zwischen der ernüchternden Erfahrung des täglichen Erwachens und den berechenbaren Sehnsüchten der Nacht erkennen sie die unaufhaltsame Annäherung an ein Ende. Die Taschenbuchausgabe der gesammelten Gedichte vereinigt nun erstmals alle Gedichtbände inklusive des 2014 erschienenen 'Gestalt des letzten Ufers'.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2016
Alex Rühle freut sich über diesen "Achthundertseitenziegel", der Michel Houellebecqs Gedichte aus den Jahren 1996 bis 2013 versammelt. Der Band ermöglicht dem Kritiker, Houellebecqs literarischen Werdegang nachzuvollziehen, insbesondere auch im Hinblick auf den Ruhm und die Skandale des Autors. Während Rühle in den frühen Gedichten noch das Gefühl "abgestorbener Leere" und "vanitasverliebter Gottlosigkeit" spürt, bleibt er sich doch auch in den späten Gedichten noch der "existentiellen schlechten Laune" und dem "Baudelaireschen Ennui" treu, stellt der Rezensent fest. Und dennoch erlebt Rühle den französischen Autor schließlich geradezu sanftmütig, um nicht zu sagen "erschlafft".
Jan Küveler kommt ins Lachen mit Michel Houellebecqs Gedichten. Das geschieht allerdings über den Umweg der totalen Depression. Erst muss Küveler fast 800 Seiten trauerschweren Welt- und Zivilsationsschmerz ertragen, Lebensmüdigkeit und Leid des lyrischen Ichs. Die Texte aus den Jahren 1996-2014 lassen bei Küveler nur einen Schluss zu: Der Autor hatte 18 Jahre schlechte Laune. Über Houellebecqs literarische Leistung bei Küveler leider kein Wort. Das ist allerdings kein Grund zum Lachen.
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