Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2002
Michele Debordes' kurzer Roman "Das Gebot" erinnert Michael Schmitt an die Untersuchung des französischen Historikers und Mentalitätsforschers Lucien Febvre über den Unglauben im Zeitalter Rabelais'. Allein sprachlich sei es den Menschen im 16. Jahrhundert gar nicht möglich gewesen, atheistische Vorstellungen auszudrücken, lautete Febvres Erkenntnis. Ähnlich verfährt nach Schmitt "Das Gebot", der im 18. Jahrhundert auf dem Land in Nordfrankreich spielt. Die Welt dort ist statisch, die Menschen kreisen in immer gleichen und kaum variierten Redewendungen um die eigene Achse. Schmitt fühlt sich an die Motivik der Barockmusik erinnert und spricht von einer Art "Stauung von Sprache", die den Sendboten der Weltgeschichte - in Gestalt von Briefen, die der nach Haiti ausgewanderte Sohn einer Dorfbewohnerin geschrieben hat - nicht gerecht wird. Man müsse jedoch viel Vorwissen mitbringen, meint Schmitt, um sich in diesem Strudel der minimalen Variationen nicht zu verfangen. Da fehlt das Gegengewicht, denn von der Welt jenseits des Dorfs - von den Kolonien - erfahre der Leser leider zu wenig, bedauert der Rezensent. Alles in allem eine interessante Romankonstruktion, deren Kalkül für ihn nicht ganz aufgeht.
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