Aus dem Amerikanischen von Gabriele Gockel und Thomas Wollermann. Die Wahl von Barack Obama im November 2008 markierte einen historischen Wendepunkt in den USA: Der erste schwarze Präsident schien für eine postrassistische Gesellschaft und den Triumph der Bürgerrechtsbewegung zu stehen. Doch die Realität in den USA ist eine andere. Obwohl die Rassentrennung, die in den sogenannten Jim-Crow-Gesetzen festgeschrieben war, im Zuge der Bürgerrechtsbewegung abgeschafft wurde, sitzt heute ein unfassbar hoher Anteil der schwarzen Bevölkerung im Gefängnis oder ist lebenslang als kriminell gebrandmarkt. Ein Status, der die Leute zu Bürgern zweiter Klasse macht, indem er sie ihrer grundsätzlichsten Rechte beraubt - ganz ähnlich den explizit rassistischen Diskriminierungen der Jim-Crow-Ära.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 18.10.2016
Rassismus ist kein Problem von gestern, sondern hochaktuell - hier stimmt Rezensent Detlev Claussen der Autorin Michelle Alexander zu. Der Skandal, den sie anprangert, die Verschränkung der "Rassen- mit der Klassenfrage", die ethnische Selektivität des amerikanischen Inhaftierungswahns, die Dysfunktionalität eines Systems, das die schwarze "Kaste ohne Ausweg" erst produziert, ist real und verlangt nach kühlen theoretischen Überlegungen und radikaler Neustrukturierung, erkennt Claussen. Doch anstatt sich auf letzteres einzulassen, verliere sich Alexander gen Ende ihres Buches in allzu emphatisch vorgetragenen Appellen und Argumentationsspiralen, die schon fast an Verschwörungstheorien erinnern.
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