Aus dem Französischen von Brigitte Große. "Zu wahr um schön zu sein" erzählt eine Epoche, ist Generationsroman und Hommage an die Kultur von Rock und Punk der 70er und 80er Jahre. Philippe heißt die Hauptfigur dieser Nach-68er-Geschichte. Im Hin und Her zwischen verklärter Vergangenheit und leerer Gegenwart erinnert er sich nostalgisch an die Zeit des Heranwachsens mit den Freunden, die ihre Rollen im kulturellen oder politischen Leben längst gefunden haben. Er selbst ist ein Ex-Rockkritiker und besichtigt sein Leben: Die Zeit, in der er noch glaubte, die Welt neu erfinden zu können - aus dem rebellischen Geist von Rock und Punk. Die Spaßgesellschaft blickt längst zurück in die Abgründe ihrer Belanglosigkeiten. Philippe schlägt sich durch mit dem kleinen Erbe der böhmischen Großmutter, die Eltern sind ihm Phantome geblieben, und aus dem Leben mit Frau und Kind flieht er in den Sex, auf dem Bildschirm und in der Latexversion. "Sich selbst hatte er schon längst verloren, er wusste nur, dass es vorbei war. Was, wusste er nicht, aber irgendwas war vorbei."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2004
Als "Doublettenroman" tituliert Tobias Rüther das literarische Debüt von Michka Assayas, einem Freund Michel Houellebecqs, der unverkennbar, meint Rüther, für diesen Roman Pate gestanden habe. Doch was sich die Leser im Original vielleicht noch gefallen ließen, schimpft der Rezensent, lese sich bei Assayas nur noch als Abklatsch: bleierne Leitartikel-Prosa. Das Thema sei das übliche: die Beschimpfung der 68er und ihrer Ideale, insbesondere das der sexuellen Befreiung, die bloß zur Unfreiheit geführt habe. Assayas' Protagonisten, einem mittelmäßigen Journalisten aus der Musikbranche, müsse man sich genauso vorstellen, wie Michel Houellebecq auf seinen Umschlagfotos ausschaue, stichelt Rüther. Wo Assayas dann Kenntnisse aus der Medien- und Musikbranche verarbeite, sei seine Analyse stichhaltig und genau. Doch auch hier fühlt sich der Rezensent an Houellebecqs Einsichtnahme in die Tourismusbranche erinnert. Das Muster des Romans ist genau das gleiche, stöhnt Rüther: "Marke dysfunktionaler französischer Roman des 21. Jahrhunderts", der wenig Bilder und stattdessen vor allem Diskurse liefere.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2004
Kaum überzeugt zeigt sich Rezensent Hardy Reich von Michka Assayas' Roman "Zu wahr um schön zu sein". Literarisch verlaufe der Roman in den Bahnen von Assayas' Freund Michel Houellebecq. So diene die "stilistisch eher behäbig" erzählte Lebensgeschichte seines Protagonisten vor allem als "Vehikel für zeit- und kulturkritische Betrachtungen". Allerdings sieht Reich keine Houellebecq "vergleichbare Exzentrik und Radikalität" am Werk, sondern eine konventionelle Klage über die Spaßgesellschaft. Als zentrales Thema des Buches nennt Reich die Medien. Zu den "raren Höhepunkten" des Romans zählt er dabei die Schilderung wichtigtuerischer Konferenzen einer Musikzeitschrift mit ihren Präsentationen samt Marktanalysen, die nur Banalitäten zutage fördern. Hier verdichte sich zur Satire, was sonst in der Ausbreitung des Selbstmitleids des Protagonisten stecken bleibe. Generell moniert Reich einen "eklatanten Mangel an editorischer Sorgfalt". Neben etlichen Druck- und Grammatikfehlern geselle sich eine Textlücke zwischen Seite 21 und 22. "So richtig", resümiert der Rezensent, "scheint der Verlag an sein Buch wohl selbst nicht zu glauben."
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