Minka Pradelski

Und da kam Frau Kugelmann

Roman
Cover: Und da kam Frau Kugelmann
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783627001230
Gebunden, 255 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Überraschend erhält Zippi die Nachricht, daß ihre kürzlich verstorbene Tante Halina ihr ein altes Fischbesteck vererbt hat. Sie reist nach Tel Aviv, um ihr Erbe selbst in Empfang zu nehmen. Kaum angekommen, da klopft es an der Tür ihres Hotelzimmers: Eine freundliche, ältere, vor allem sehr dicke Dame bittet darum, eingelassen zu werden. Bella Kugelmann, so stellt sie sich vor. Zippis ungeduldiger Versuch, sie abzuwimmeln, schlägt fehl. Aber dann beginnt Frau Kugelmann zu erzählen: von ihrer Jugend im polnischen Bedzin, von Eltern und Verwandten, Schulfreunden, dem schönen Adam und der stolzen Polin, von Fettauge, von Gonna und Kotek, dem Kätzchen, vom noblen jüdischen Fürstenberg-Gymnasium, von dem trickreichen Mantelverkäufer Teitelbaum, den starken Bachmanns. Es herrscht ein pulsierendes, sorgloses, scheinbar völlig unbeschwertes und fröhliches Leben in dieser Kleinstadt, so kurz bevor die Deutschen Polen überfielen und das Grauen begann. Frau Kugelmann erzählt wunderbare Geschichten von einer längst vergangenen Zeit, denen sich die junge Deutsche nicht entziehen kann. Und als Frau Kugelmann plötzlich ein altes Fischbesteck erwähnt, begreift Zippi, daß es sich hier um ihre eigene Familiengeschichte handelt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.06.2006

Mit viel Sinn für Komik erzähle Minka Pradelski ihre Geschichte vom unmerklichen Schatten der Vergangenheit, der junge wie alte Juden verfolgt. Vor allem gelinge es ihr, lobt Rezensentin Andrea Lüthi, die Spannung von jetzt und damals bis zuletzt aufrechtzuerhalten. Die Erzählerin mit ihrer Sucht nach Tiefkühlgemüse, referiert die Rezensentin, sei von Anfang an eine merkwürdige Figur, die sich erst durch die Begegnung mit Frau Kugelmann und ihren Erzählungen von einer idyllischen Kindheit in Polen nach und nach in ihrer Problematik für den Leser entschlüsselt. Im Gegensatz zu Frau Kugelmann gehöre sie zur Generation nach dem Holocaust, die gleichwohl bis in groteske Verhaltensweisen hinein von der Vergangenheit bestimmt ist. Die Autorin, so die Rezensentin, zeichne die Geschichte einer "therapeutischen" Begegnung auf "einfühlsame" Weise nach und vermittle über den Umweg der Frau Kugelmann ein Bild der jüdischen Gesellschaft in Polen vor dem Zweiten Weltkrieg.

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