Wenn Nike ihre Wohnung in Berlin-Mitte verlässt, muss sie am Stolperstein ihrer Urgroßmutter vorbei. Nike ist als Jüdin in Ostberlin aufgewachsen, jede Straße trägt Erinnerung, auch schmerzhafte. Als sie ein Jobangebot in Tel Aviv bekommt, nimmt sie an. Dort trifft sie Noam, er ist Journalist, seine Geschichte ist tief und komplex. Nike lässt ihn in ihr Leben, als ersten Mann seit Jahren. Doch zwischen ihr und Noam steht Noams Onkel Asher. Der ist vereinnahmend und brutal und setzt alles daran, dass Nike aus Noams Leben verschwindet. Furchtlos und berührend erzählt Mirna Funk von der Gewalt, die in Nikes und Noams Familiengeschichten steckt. Wie leben sie mit ihren individuellen Bruchstellen? Und wie können sie einander lieben?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.02.2021
Rezensent Ulrich Seidler geht mit Mirna Funk erneut auf Erkundung verdrängter Identitäten. Die Leiden der Nachgeborenen an den Wunden der Eltern und Ureltern, wie sie die Autorin ihre jüdische Ich-Erzählerin erleben lässt, kann auch Seidler beim Lesen nachvollziehen. Wohin die Geschichte geht (mit der Protagonistin nach Israel), ahnt er bald, derart symbolisch legt die Autorin ihre Erzählung an. Doch der Spannungsbogen hält, versichert Seidler. Leider bleibt das Handeln und Denken der Hauptfigur für Seidler etwas unscharf, das scheint aber der einzige Einwand des Rezensenten zu sein.
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