Aus dem Kroatischen übersetzt von Klaus Detlef Olof. Sie werden sich wundern. Zumindest werden sie sich fragen. Ein Buch zu Russland? Knapp hundert Jahre nach dem Erscheinen im Original? Was hat uns Miroslav Krleža heute zu sagen? Krleža hat den Polizeistaat im neuen Königreich Serbisch-Jugoslawiens am eigenen Leib zu spüren gekriegt und hat sich in Russland in einen Ästhetizismus geflüchtet, mit dem er den dialektischen Umschlag in der russischen Gesellschaft verbrämt hat. Einen möglichen Verdacht, dass auch in der Sowjetunion die Revolution ihre Kinder fressen werde. Einen ausdrücklichen Zweifel an der Unumkehrbarkeit des gesellschaftlichen Prozesses in Russland finden wir nicht, aber die Erwähnung des Triumvirats Bronstein, Dschugaschwili, Dzierżyński in Parallelsetzung zum Aufstieg Napoleons zum Alleinherrscher dürfen wir als Vorahnung des Kommenden werten. In Krležas Œuvre ist es das "persönlichste", das "intimste" Buch und fügt sich ein ins gesamte übersetzte Werk, das uns vorliegt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.01.2024
Ein fast hundert Jahre altes Buch lässt sich hier mit großem Gewinn neu entdecken, hält Rezensent Jörg Plath bei der Lektüre der Essays von Miroslav Krleza fest, der als einer der wenigen Kroaten kurz nach dem Tod Lenins in der UdSSR reist. "Kommunist, aber kein üblicher Revolutionstourist" ist er, bekräftigt Plath, der hier zum einen von der langen Reise liest, um überhaupt in das Land zu kommen und zum anderen über die Geschehnisse, die ihn dort erwarten. Mit reichem Erzähltalent schreibt Krleza über Personenkult und Abendessen in beschlagnahmten Großindustriellenvillen zwischen KP-Mitgliedern und enteigneten Diven und erinnert den überzeugten Kritiker damit an Größen wie Brecht und Rilke, wie er schließt.
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