Joachim Willems

Pussy Riots Punk-Gebet

Religion, Recht und Politik in Russland
Cover: Pussy Riots Punk-Gebet
Berlin University Press, Berlin 2013
ISBN 9783862800605
Gebunden, 166 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Junge Frauen in farbigen Strumpfhosen, grellen Kleidern und mit bunten Sturmmasken: so wurde 2012 Pussy Riot weltbekannt. Begeistert vom arabischen Aufstand, beteiligten sie sich auf ihre Art an den Protesten gegen die Fälschung der Parlamentswahlen in Russland: mit überfallartigen Auftritten einer als Punk-Band getarnten Polit-Truppe, die, respektlose Texte singend, an symbolträchtigen Orten die Mächtigen herausforderte. Bis zu jenem 'Auftritt' in der Christ-Erlöser-Kathedrale, dem Symbol für die Verbindung von Kirche und Staat in Russland. Das 'Punk-Gebet' zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl im März 2012 brachte zwei der Pussy-Riot-Frauen ins Straflager. Die weltweite Solidaritätswelle und die internationale Kritik am Gerichtsverfahren haben weder die Richterin noch die führenden Politiker Russlands beeindruckt. Wer sind diese jungen Frauen, die den russischen Staat herausfordern? Warum beziehen sie sich ausgerechnet auf die Bibel und die russische Religionsphilosophie für ihre Performances? Warum finden sie weltweit Unterstützung? Und warum zeigt eine Mehrheit von Russen wenig Verständnis für die Verurteilten? Ist die Russische Orthodoxe Kirche gegen die Verfassung Russlands faktisch zur Staatskirche geworden? Nutzt die politische Führung das 'Punk-Gebet', um neue repressive Gesetze zu erlassen und Freiheitsrechte weiter einzuschränken?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2013

Was wirklich hinter Pussy Riot steckt, erfährt Kerstin Holm aus diesem Band des Theologen Joachim Willems. Der Autor erschließt der verblüfften Rezensentin nicht nur in aller Klarheit die politischen Hintergründe, die zu den Aktionen der Gruppe führten, sondern grundiert sie laut Holm auch mit Erläuterungen zur russischen Frömmigkeits- und Rechtskultur (Stichwort: Knutenchristentum und Gummiparagrafen). Dabei erscheinen die Riots der Rezensentin schließlich in der Tradition des Gottesnarrentums, Antwort auf die offene Verhöhnung der Zivilgesellschaft durch den Kreml.
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