Nadja Küchenmeister

Der Große Wagen

Gedicht
Cover: Der Große Wagen
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783895614132
Gebunden, 96 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Es beginnt in Berlin, Köln oder Lissabon. Es beginnt im Frühling, mit einem Himmel, der keinen Wolkenfaden zieht. Das Leben kehrt zurück, und damit kehren auch die Erinnerungen zurück an werkelnde Kinder im Keller, an Tau auf Märzenbechern und Margeriten und an Gespenster, die unter der Dusche Monologe halten. Jemand geht durch die verwinkelten Straßen einer Stadt, auf dem Miradouro da Graça spiegelt sich das Licht vom Bahnhof Wuhletal. Warum also pausieren, wenn der Wind einen anhebt wie ein Blatt Papier?Alles geschieht gleichzeitig: Während man Teppichstange um Teppichstange älter wird, läuten die Glocken der Mater Dolorosa in die Lücke hinein, die der Regen lässt. Man muss sich demnach in die Schlaufe hängen, damit die Kurve einen nicht erledigt. Aber die Toten geben keine Ruhe - mit frisch geschnittenen Fingernägeln fällt es leichter, ihnen zu begegnen. Wie viel Kaffee soll man noch trinken, bevor man die Heizkörper kalt werden lässt?, fragt Nadja Küchenmeister in ihrem Langgedicht Der Große Wagen. Unaufhörlich sickert hier die Vergangenheit in die Gegenwart wie das Wasser des Tejo in den Atlantik, und nur eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Gelb wird wichtiger.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.05.2025

Rezensent Helmut Böttiger wird mitgerissen von Nadja Küchenmeisters Langgedicht über Abschiede und Ankünfte zwischen Berlin, Köln, Lissabon und Augenblicke der Kindheit, in denen das titelgebende Sternbild als Konstante wirkt. Gleichzeitigkeit und Dynamik sind in den Terzinen vereint, erkennt Böttiger, dem das Elegische in Verbindung mit Augenblickslust im Text sichtlich zusagt. Wie die Autorin Biografisches, Wahrnehmung, Sehnsuchtsmomente und die leitmotivische Farbe Gelb zu etwas Sinnlichem und Mitreißendem vereint, findet Böttiger stark.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2025

Jemand "werkelt/am drehgelenk eines solarmoduls" und plötzlich geht ein Werkzeugkoffer im All auf Nimmerwiedersehen flöten - so endet Nadja Küchenmeisters Langgedicht, in dem der Kritiker Christian Metz von allerhand Abschiedsmomenten liest. Bildmächtig und zugleich präzise schildere Küchenmeister Abschiede an drei Orten, Köln, Lissabon und Berlin, Orientierung vermittle in dieser Überlagerung der Große Wagen, der immer wieder angerufen werde. Ein "ständiges verstolpern von schritt/und schrift" ereignet sich in den insgesamt 1200 Versen, die in zehn Zyklen zu fünf Bildern eingeteilt sind und Metz durch ihren Gefühlsreichtum und die vielen Wissenshorizonte zwischen Kosmologie, Liebe und Geografie beeindrucken. So entsteht "poetische Prägnanz", staunt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.03.2025

Rezensent Björn Hayer erlebt bei der Lektüre von Nadja Küchenmeisters Lyrikband "eine existenzielle Erschütterung": Zwischen Zeiten und Orten springend erzählt sie von einer Welt, in der nichts mehr gewiss ist, die Liebe vergeht, mit allen Tricks der Rhetorik wird der "vorrat/an leere, dein gespreiztes nichthiersein" geschildert. Referenzen an Autoren von Dante Alighieri bis Rolf Dieter Brinkmann begeistern Hayer ebenfalls in diesem "stringent durchkomponierten Poem", das mit stets dreizeiligen Versen arbeitet. Zwischen einem Leben mit durcheinandergebrachten Grundfesten und dem Tod, "dieser Schrecken", liegt hier ein beeindruckender Band vor, der den Kritiker ziemlich begeistert.

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