Frühlingsnacht
Roman

Guggolz Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783945370490
Gebunden, 240 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Mit einem Nachwort von Hanne Ørstavik.In "Frühlingsnacht" steht der 14-jährige Hallstein im Mittelpunkt, gerade an der Schwelle zwischen Kindlichkeit und Erwachsensein, der mit seiner älteren Schwester Sissel über Nacht allein zu Hause bleibt, als die Eltern zu einer Beerdigung in die nahe Ortschaft fahren. Hitze und Feuchtigkeit liegen drückend auf dem Tag, und als die Geschwister sich zum Abendessen setzen, klopft es an der Tür. Eine fremde Familie benötigt nach einer Autopanne Unterkunft, zumal eine junge Frau kurz vor der Entbindung steht. Alle sind in Aufruhr, die Besucher bringen dramatische Konflikte mit, und die Frühlingsnacht wird zu einem Abenteuer, das Ungeklärtes zutage befördert und jeden verändert zurücklässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2025
Rezensent Stephan Opitz dankt zunächst einmal dem Guggolz Verlag dafür, dass wir hier in Deutschland mit Tarjei Vesaas einen der wichtigsten norwegischen Autoren entdecken können, dessen Werk sich vor allem durch seine aufmerksame Innerlichkeit auszeichnet. Auch findet der Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel sein Lob, der das Buch aus der schwierigeren der norwegischen Amtssprachen, dem Nynorsk, übersetzt hat. Es geht in diesem Roman um die Geschwister Hallstein und Sissel, die für eine Nacht allein zuhause sind - eine Nacht, in der sich einiges ereignet, nicht nur, dass Sissels Schwarm Tore vorbeischaut, sondern auch, dass eine ihnen vorher fremde Familie Einlass und Obdach begehrt, verrät Opitz. Ein Kind wird geboren, eine Frau stirbt und über allem liegt ein mystisch-mitreißender Schleier, erfahren wir. Für den Kritiker überzeugt der Roman durch seine atmosphärische und emotionale Dichte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.05.2025
Wie schön, dass Sebastian Guggolz die Bücher des 1970 verstorbenen Norwegers Tarjei Vesaas verlegt und Hinrich Schmidt-Henkel sie so gelungen übersetzt, befindet die Rezensentin Stephanie von Oppen, die sich gerne in diesem gefühlvollen, intensiven Roman verliert. Der 14-jährige Hallstein und seine ältere Schwester Sissel sind zum ersten Mal über Nacht allein zuhause, in soghafter Genauigkeit erzählt Vesaas von allen Eindrücken und Gefühlszuständen, die er hat, als in der Nacht plötzlich eine Familie vor der Tür steht und Einlass begehrt, resümiert Oppen. Eine Schwangere braucht eine Hebamme, ihr Mann, ihr Vater, dessen Partnerin und ihr Bruder mit seiner Tochter sind ebenfalls dabei, eine "komplizierte Dynamik" entwickelt sich, bei der Hallstein nicht zuletzt seine Gefühle für Gudrun, die junge Tochter, entdeckt, was der Kritikerin zufolge mit "geradezu psychoanalytischem Feingefühl" erzählt wird. Eines der Geheimnisse von Vesaas' Kunst dürfte ihr zufolge sein, dass er auch dem Kindlichen und den Schwellenzuständen auf dem Weg zum Erwachsenwerden einen Raum gibt, wie sie schließt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 17.04.2025
Die Atmosphäre dieses wohl besten Romans des Frühjahrs von Norwegers Tarjei Vesaas ist unglaublich dicht, hält Rezensent Christoph Schröder fest: Die beiden jugendlichen Geschwister Hallstein und Sissel sind alleine zuhause, ihre Eltern sind auf einer Beerdigung. Ein spannungsreiches Kammerspiel entfalte sich, als vier Menschen nachts vor der Tür stehen, eine Frau unter ihnen brauche medizinische Hilfe. Auf rätselhafte, gefühlsintensive und vor allem kunstvoll durch den Autor gearbeitete Weise stirbt ein Mensch und ein Kind wird geboren, was für Schöder in allen Stimmungsfacetten durch die "bestechende Klarheit" von Vesaas' Sprache vermittelt wird, der hier "Bewusstseinswelten von Außenseitern" erschließt. Ein Buch, das aus familiären und inneren Konflikten und existenzialistischer Atmosphäre eine große Geschichte macht, schließt er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.03.2025
Schwärmerisch beschreibt Rezensentin Bettina Hartz Tarjei Vesaas' Roman. In dessen Zentrum steht Hallstein, ein Junge, der mit seiner Schwester zunächst allein zu Hause ist und, so Hartz, ein inniges, kindlich-träumerisches Verhältnis zur Natur pflegt. Freilich verändert sich die Stimmung als plötzlich infolge einer Autopanne eine Familie im Haus der Geschwister auftaucht, eine schwangere Frau ist dabei, eine schweigende Alte und ein Mädchen namens Gudrun, das Hallstein aus seinen Träumen zu kennen meint. An Ibsen fühlt sich Hartz angesichts dieses Familiendramas plötzlich erinnert, wobei sie auch beeindruckt ist von den zarten, intimen Szenen zwischen Hallstein und Gudrun. Besonders toll findet Hartz, wie die Grenzen zwischen Außenwelt und psychischem Inneren verschwimmen in dieser Prosa, wie sich Träume und Wirklichkeit mischen und wie Vesaas' Sprache einen eigentümlichen Schwebezustand herstellt. Regelrecht sensorische Qualitäten schreibt die Rezensentin dieser Sprache zu, Worten, die unseren innersten Gefühlen nachspüren. Und dabei freilich, das ist die letzte Volte dieser Rezension, uns gleichzeitig als etwas Fremdes entgegen treten - genau in diesem Fremden erkennen wir uns selbst, schließt diese sich teilweise selbst einem poetischen Stil annähernde Besprechung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2025
"Staunenswert wie eigentümlich" ist auch dieser Roman des norwegischen Schriftstellers Tarjei Vesaas und wie immer "meisterhaft" übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel, so jubelt Rezensent Rainer Moritz. Im Zentrum stehen dieses Mal der vierzehnjährige Hallstein und seine ältere Schwester Sissel, denen innerhalb weniger Stunden Unheimliches und Außergewöhnliches zustößt, erzählt der Kritiker. Mitten in der Nacht hält ein Wagen mit einer rätselhaften Familie vor dem Haus, in dem die Geschwister alleine die Nacht verbringen: die Schwangere Grete und ihr Mann Karl, außerdem dessen Vater Hjalmar und seine Frau Kristine, die nicht spricht und die Nacht nicht überleben wird, wie Moritz verrät. Mit reduzierten Mitteln gelinge es Vesaas, eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen, gleichzeitig aber so zu schreiben, dass "Schuld und Angst" eher wie "eine Art magischer, traumhafter Nebel" über allem lägen. In der Schwebe zwischen Realität und Unbewusstem kommt der Autor dem "existenziellen Ernst" der Erzählung ganz nah, findet Moritz. Ärgerlich ist für den Kritiker lediglich das Nachwort der norwegischen Schriftstellerin Hanne Örstavik, die zu sehr um sich selbst kreist, anstatt sich mit dem Text auseinanderzusetzen, dem Lektüregenuss tut dies aber keinen Abbruch, schließt Moritz.