Aus dem Niederländischen von Anna Berger und Jonathan Krämer. Frauen haben zu schweigen, wenn es um den Islam geht. Damit will sich Nahed Selim nicht abfinden: Sie will Muslima sein und trotzdem emanzipiert, will selber bestimmen, was sie glauben will. In keiner Sure steht, dass Frauen Schleier tragen müssen, die meisten Regeln zur Unterdrückung der Frauen sind im Lauf der Jahrhunderte von den - ausschließlich männlichen - islamischen Theologen in den Koran hineingeschmuggelt worden. Die muslimischen Frauen werden durch Fehlinterpretationen, angeblich authentische Texte und falsche Übersetzungen unterdrückt. Selim ruft die Frauen auf, selber den Koran zu lesen und zu interpretieren: der längst überfällige Beginn einer weiblichen islamischen Theologie.
Rezensentin Katajun Amirpur begrüßt dieses Buch als "vielversprechenden" Diskussionsbeitrag zur Modernisierung des Islam. Wichtig findet sie dessen Thesen auch deshalb, weil sich in Punkto Nichtrefomierbarkeit dieser Religion islamische Fundamentalisten und westliche Islamkritiker einig seien. Die Autorin Nahed Selim zeige an konkreten Beispielen, wo die Modernisierung islamischer Glaubenssätze schon vollzogen sei. Im übrigen weise sie Wege zu weiteren Reformmöglichkeiten, und focussiere sich dabei besonders auf die Rechte der Frau. Da ihre Gedanken in der islamischen Welt auch diskutiert werden würden, steht Selim für Amirpur selbst beispielhaft für den Kampf des Islam um "Modernität und Aufklärung".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2006
Die Rezensentin Katajun Amirpur freut sich über den Ansatz, den die Autorin Nahed Selim mit ihrem Buch verfolgt. Amirpur beobachtet, dass in der gegenwärtigen, innerislamischen Diskussion über das Modernisierungspotential des Islam zwei Lager entstanden sind: zum einen diejenigen, die sich völlig vom Islam abwenden, weil er ihrer Meinung nach modernisierungsresistent ist. Dazu gehört beispielsweise Ayaan Hirsi Ali, die mit dem später ermordeten Filmemacher Theo van Gogh zusammenarbeitete. Auf der anderen Seite stehen Kritiker und Kritikerinnen wie Nahed Selim, die nach einer zeitgemäßen und "weiblichen" Interpretation des Koran suchen. Für Amirpur ist der Umstand, dass Selims "vielversprechende" Ideen in der islamischen Welt gehört werden, ein Beleg dafür, dass es durchaus eine aufklärerische Debatte in der islamischen Welt gibt - auch wenn in westlichen Medien die radikalen Islamisten mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.03.2006
Die "fernsehseriengleiche" Aufmachung des Buches schreckt Hilal Sezgin zunächst ab. Zu ihrer Freude stellt sie nach den ersten Seiten aber fest, dass hinter der "unseriösen Anmutung" ein "äußerst nachdenkliches" Buch steckt. Die niederländische Journalistin Nahed Selim sei sprachlich zwar nicht immer sicher, doch diskutiere sie einige Stellen des Koran so erfrischend und pointiert, "dass man entzückt Heureka! rufen möchte". Bei den Maßgaben zum Sexualverhalten etwa gelange Selim mit ihrer durchgängig historischen Lesart des Koran zu "wirklich überraschenden" Schlussfolgerungen. Neben den intellektuellen Vorzügen empfiehlt sich das Buch für Sezgin auch wegen der "Offenherzigkeit" und "Leidenschaftlichkeit", mit der die Autorin die Fragen der Exegese diskutiert.
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