Najem Wali

Die Balkanroute

Fluch und Segen der Jahrtausende
Cover: Die Balkanroute
Matthes und Seitz, Berlin 2017
ISBN 9783957574510
Broschiert, 175 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Übersetzung: Markus Lemke. "Die Balkanroute ist dicht" kann man heute mit kaum versteckter Erleichterung allenthalben hören. Doch die Balkanroute, die seit Tausenden Jahren von Menschen bereist wurde, ist nicht dicht, sie war es nie, und sie wird es nie sein. Najem Wali war im September 1976 auf dieser Route mit dem Bus unterwegs. Allerdings nicht auf der Flucht, sondern auf dem Rückweg von Frankreich in seine Heimat, den Irak. Sein Traum, an der Sorbonne Filmregie zu studieren, war geplatzt. Angeregt durch die Flüchtlingsströme bereist Wali abermals die Route und begibt sich im Gebiet zwischen der Türkei und Griechenland an die Nahtstelle zwischen Orient und Okzident. In seinem sehr persönlichen Bericht erzählt er von seinen Eindrücken, seinen Begegnungen mit Vertriebenen, Schutzsuchenden und Zurückgebliebenen und von der bewegten Geschichte der Levante, in der sich seit jeher reicher kultureller Austausch mit blutigen Vertreibungen abwechselten...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2018

Rezensentin Irene Binal reist mit dem in Deutschland lebenden Schriftsteller Najem Wali in dessen neuem Buch die Balkanroute entlang und kehrt mit gemischten Gefühlen zurück. Zwar weiß der Autor in mehrerlei Hinsicht, wovon er schreibt, informiert die Kritikerin: Mehr als zwei Jahrzehnte, nachdem er selbst die Balkanroute bereiste, verlässt er seine "Wohlstandsblase", um sich ein aktuelles Bild von der Situation vor Ort zu machen, so Binal. Durchaus interessiert lauscht sie zwar den Träumen, welche die Flüchtlinge Wali bei seinen Begegnungen mitteilen, weshalb der Autor aber nie Stellung bezieht oder seine Gesprächspartner über die Realität aufklärt, kann die Kritikerin nicht nachvollziehen. Walis Streifzug durch die Jahrhunderte, seine Stippvisiten bei Babyloniern, Persern, Griechen etwa, geraten Binal indes zu ausschweifend. Überhaupt hätte sie sich insgesamt einen journalistischeren Blick gewünscht.

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