Am 11. August 1709 erscheint in England ein Text, der die unbedingte Aufnahme deutscher Flüchtlinge fordert. Das Argument: Die Aufnahme werde England zu nationaler Ehre gereichen und einen beträchtlichen wirtschaftlichen Gewinn mit sich bringen. Der Autor: Daniel Defoe. Zu Zehntausenden kommen die Menschen aus der Pfalz, um Armut und religiöser Verfolgung zu entgehen. Rufe nach Obergrenzen, Kontingenten und Flüchtlingskolonien werden laut, und auch damals gibt es gute Gründe dagegen. Defoe verschafft sich Zugang zu offiziellen Dokumenten und Statistiken, führt zahlreiche Interviews. Was er in Erfahrung bringt, ist erschütternd, aber nicht aussichtslos. Er berichtet von fremdenfeindlicher Hetze gegen die Deutschen ebenso wie von der Zivilcourage vieler Privatleute, die versuchen, den Heimatlosen neue Hoffnung zu geben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2018
Rezensent Werner von Koppenfels freut sich über die ungeahnte Wiederentdeckung von Daniel Defoes "Kurzer Geschichte der pfälzischen Flüchtlinge" aus dem Jahre 1709. Erstaunlich aktuell erscheint dem Kritiker das Werk, in dem Defoe rational argumentierend für das Bleiberecht jener 10.000 deutschen Flüchtlinge, die vor französischer Verheerung und Rekatholisierung geflohen waren, in England plädierte: Christenpflicht, vor allem aber wirtschaftlichen Eigennutz - etwa durch Bestellung ungenutzter Ländereien - führte Defoe neben zahlreichen Dokumenten und statistischem Zahlenmaterial an, allerdings ohne großen Erfolg, wie der Rezensent hinzufügt.
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