Das 20. Jahrhundert trägt schon jetzt eine Vielzahl schillernder Titel, die seinen weltgeschichtlichen Platz bestimmen sollen: das Katastrophenjahrhundert, das Zeitalter der Extreme, das Jahrhundert der Ideologien, das Amerikanische Jahrhundert. Doch wie plausibel sind solche Etikettierungen im Licht aktueller Forschungen? Gemeinsames Ziel der hier versammelten Beiträge ist es, das je nach Perspektive 'kurze' oder 'lange' 20. Jahrhundert als eine von Kontinuitäten und Zäsuren durchzogene, aber doch unter gemeinsamen Blickwinkeln erfassbare Epoche zu begreifen.
Aus dem Inhalt:
Martin Sabrow: Das Jahrhundert vermessen,
Jörg Baberowski: Die Sowjetunion,
Ute Frevert: Rationalität und Emotionalität,
Gabriele Metzler: Das Jahrhundert der Gewalt und ihre Einhegung,
Rüdiger Graf: Die Krise als epochemachender Begriff,
Frank Bösch: Medienumbrüche und Zäsuren,
Jochen Oltmer: Flucht, Vertreibung, Deportation
Heinz-Gerhard Haupt: Der Siegeszug der Konsumgesellschaft,
Jan Eckel: Menschenrechte in der internationalen Politik,
Winfried Süß: Aufstieg und Krisen des Sozialstaats,
Lutz Raphael: Frankreichs Modernität,
Sybille Steinbacher: Der Holocaust
Bodo, Mrozek: Jugendkultur
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.06.2017
Werner Hornung findet den Titel des von Martin Sabrow und Peter Ulrich Weiß herausgegebenen Sammelbandes eine Nummer zu groß. Globalgeschichtlich möchte er das Werk lieber nicht nennen, schließlich herrscht eine eurozentristische Perpektive vor, meint er. Über Entwicklungen in Amerika, Asien und Afrika findet er nur wenig im Buch. Dass die versammelten Historiker versiert Themen wie Grenzen, Massenmedien oder Sozialstaat angehen, macht dem Rezensenten auch nur halb so viel Freude, weil die Texte erstens keiner Chronologie folgen und zweitens mit akademischem Jargon nerven, wie er erklärt. Ein Buch fürs Fachpublikum, resümiert Hornung, das überdies ohne Karten, Grafiken und Register auskommen muss.
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