Wie hat diese ungewöhnliche Frau gelebt? Wie fand Agnes Martin, die oft als ebenso spröde wie anziehend beschrieben wurde und in hohem Maße auf Autonomie bedacht war, ihren Weg als Malerin? Weshalb verließ sie New York und ihre Freunde (Künstler wie Jasper Johns, Ellsworth Kelly und Ad Reinhardt) schon in jungen Jahren und verzichtete trotz erster Malerfolge jahrelang auf jegliche Kunsttätigkeit? Stattdessen zog sie mit einem Pick-up Truck kreuz und quer durch die USA, bis sie schließlich ihr Zuhause fand: In der Wüste von New Mexiko erbaute sie sich ein Adobe-Haus, in einer Umgebung, die flirrend, leer, magisch und leuchtend ihr zur Inspiration verhalf, Bilder von äußerster Reduktion, Minimalität und Transzendenz zu entwickeln: Flächen, hinter denen sie - die auf Ego-Losigkeit bedachte Buddhistin - verschwinden konnte.
Nancy Princenthal gelingt es dank neu erschlossener Quellen erstmals, Werk und Person zu verschränken, sodass sich beides gegenseitig erhellt. Sie lässt Zeitgenossen und Wegbegleiter von Agnes Martin zu Wort kommen und betrachtet eingehend ihre Lebensorte als Kind, Studentin und Künstlerin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.04.2017
Dass die amerikanische Malerin Agnes Martin aus ihrer Person zeitlebens ein Geheimnis machte, spürt Rezensentin Catrin Lorch insbesondere in den ersten Kapiteln dieser von Nancy Princenthal vorgelegten Biografie. Behutsam und respektvoll erzählt die Autorin zunächst von Ausbildung, künstlerischen Begegnungen, Umzügen und Reisen, stellt die Gemälde vor und verschweigt die Brüche in Martins Leben, informiert der Kritikerin. Bald aber nimmt das Buch an Fahrt auf, versichert Lorch: Sie liest nicht nur, wie die rastlose Künstlerin im Jahre 1967 plötzlich New York verlässt und in der Nähe von Santa Fe in der Einöde eigenhändig ein Haus baut, sondern erfährt auch, wie häufig Martin auf Grund ihrer Schizophrenie in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Gebannt folgt die Rezensentin Princenthals ebenso exakten wie "drastischen" Schilderungen von Martins Halluzinationen, den Zuständen in den Kliniken, zeitgenössischen Behandlungsmethoden oder den Wahnvorstellungen anderer berühmter Künstlerinnen und staunt, wie die Autorin das Erzählte mit Zitaten aus Sylvia Plaths "Glasglocke" verknüpft.
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