Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518128398 Broschiert, 192 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt. Um der drohenden Verhaftung durch die Behörden zu entgehen, flieht Natalja mit ihren Kindern aus Russland. Im Asylbewerberheim in Bayern schlägt ihr Feindseligkeit entgegen. Und doch ist ihr neues Leben ein einziges Aufatmen. Das Gefühl, von Angst befreit zu sein, macht es leichter, mit den Härten klarzukommen: Die ältere Tochter braucht Hilfe, weil sie eine Depression entwickelt. Die jüngere bittet, sich in der Schule als Mädchen aus Kiew ausgeben zu dürfen, um nicht geschnitten zu werden. Mit den ukrainischen Heimbewohnerinnen, später mit irakischen und syrischen Geflüchteten im Deutschkurs beginnt Natalja Interviews zu führen. Am Ende blitzt so etwas auf wie eine Utopie des Ankommens in einer Community der Entwurzelten - dank der gemeinsamen Sprache, in der die "Wunde" sich ans "Wunder" anlehnen darf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2026
Rezensent Ulrich M. Schmid ist fast ausnahmslos beeindruckt von dem Exiltagebuch der russischen Schriftstellerin. Nachdem sie aufgrund eines regimekritischen Theaterstücks denunziert wurde und jeden Tag mit einer potentiellen Verhaftung rechnete, floh die Schriftstellerin mit ihren zwei Töchtern 2023 nach Deutschland, erfahren wir. Um ihr Leben seitdem zu beleuchten, entscheidet sie sich gegen einen "geordneten Fließtext" und für die punktuellen Notate einer "orientierungslosen Existenz", resümiert Schmid. Die Autorin trifft etwa auf geflüchtete Ukrainerinnen, die, nachdem sich die Autorin als Russin zu erkennen gibt, nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen, obwohl auch die Autorin eine den Krieg ablehnende Geflüchtete ist. Schmid zeigt sich begeistert von dem austarierten Ton des Textes, dem es gelingt, weder die russische Kollektivschuld zu mildern noch in Selbstmitleid unterzugehen. Lediglich manche der eingeschobenen, fiktionalen Miniaturen tendieren manchmal zur Überzeichnung, was der Rest des Textes jedoch auszugleichen weiß, schließt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2026
Im Rahmen eines Besuchs bei Natalja Kljutscharjowa bespricht Rezensent Frank Nienhuysen das neue Buch der Autorin, die 2023 aus Russland nach Deutschland geflohen ist, nachdem sie in ihrer Heimat als Kriegsgegnerin denunziert wurde. Im Buch geht es sowohl um die letzten Jahre in der alten Heimat als auch um die ersten im Exil, es enthält jede Menge Alltagsbeobachtungen aus der Umgebung von Landshut, wo Kljutscharjowa nun wohnt. Viel geht es im Buch um Sprache, um die Liebe der Autorin zum Russischen und ihre Angst, diese sprachliche Heimat in der Fremde zu verlieren. Noch liest der Kritiker jedoch über Kljutscharjowas Abscheu vor der russischen Politik der Gegenwart - Hoffnung auf Besserung hat sie kaum, aber sie kann die Nachrichten aus der Heimat auch nicht ignorieren. Abschließende Werturteile finden sich in Nienhuysens Besprechung nicht, aber der Rezensent scheint sich durchaus wohlgefühlt zu haben mit diesem Buch, das gleichzeitig zurück und nach vorne blickt.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…