Nora Krug

Im Krieg

Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg
Cover: Im Krieg
Penguin Verlag, München 2024
ISBN 9783328603252
Gebunden, 128 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Nora Krug und Alexander Weber. Eine ukrainische Journalistin und ein russischer Künstler, ein Jahr lang begleitet von einer deutsch-amerikanischen Illustratorin. Wenige Tage nach der russischen Invasion der Ukraine hat Nora Krug Kontakt aufgenommen zu zwei Menschen in Kiew und Sankt Petersburg, die ihr in wöchentlichen Gesprächen berichten, was der Krieg für sie bedeutet. Wie sie mit ihren Kindern darüber sprechen, mit Freunden und Fremden, ob sie arbeiten können und wie sie leben. Was es heißt, wenn die Heimat zerstört wird. Und wie es sich anfühlt, wenn sie einem genommen wird, weil die eigenen Überzeugungen nicht mit dem Krieg, den das Heimatland führt, vereinbar sind. Nora Krug hat 52 Wochen lang die Berichte gesammelt und illustriert. Dieses Buch umfasst das ganze erste Kriegsjahr.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.06.2024

Mit der Graphic Novel "Im Krieg" hat die Zeichnerin Nora Krug eine Darstellung des Lebens im und mit dem Krieg in der Ukraine geschaffen, die dessen Komplexität  herauskehrt, urteilt Rezensentin Martina Knoben. Krug hat zu Beginn des Krieges zwei Bekannte, die in Kiew lebende Journalistin K. und den russischen Künstler D., nach ihren Erfahrungen befragt. Deren wöchentliche Berichte finden sich nun, nebeneinander im ,Split Screen' angeordnet und durch Krug illustriert, in deren Buch wieder. Beide berichten darin von ihrem Erleben, ihren Gedanken und Ängsten. Krugs Zeichnungen fügen ihren Berichten, so Knoben, eine schlicht gehaltene visuelle Erzählebene hinzu, die sie nicht überdeckt, sondern wirksam unterstreicht. Ein so erschütterndes wie schönes Zeitdokument, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.04.2024

Rezensentin Katja Kollmann ist sehr beeindruckt, auch gefordert, von Nora Krugs Buch. In ihm stellt die deutsche, in New York lebende Illustratorin und Autorin die Perspektiven zweier Menschen gegenüber, zu denen sie nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine in einen wöchentlichen E-Mail-Kontakt trat, den sie hier nun veröffentlicht und um eigene Zeichnungen ergänzt. Es sind die tagebuchähnlichen Texte einer ukrainischen Journalistin, abgekürzt "K.", und eines russlandkritischen Künstlers aus St. Petersburg, hier "D.", die beide auf ihre Weise von Putins Terror "wie in Geiselhaft" genommen sind, so Kollmanns Beschreibung. K. erzählt von der Evakuierung ihrer Kinder nach Dänemark und ihrem Pendeln als Kriegsberichterstatterin zwischen Kopenhagen, der alten Wohnung in Kiew und der Kriegsfront; D. berichtet von seiner Emigration ins lettische Riga. Wie Krug diese beiden Perspektiven nebeneinanderstellt und durch empathische Zeichnungen - oft von Händen, die einander suchen, berühren - sinnlich erfahrbar werden lässt, findet die Kritikerin als Lektüre herausfordernd, aber "unendlich wertvoll".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2024

Rezensentin Elisabeth von Thadden ist tief beeindruckt von diesem Tagebuch, für das eine ukrainische Journalistin und ein russischer Künstler der Zeichnerin Nora Krug über ihren Kriegsalltag berichten. Gefühlig wird es dabei nicht, lobt sie, vielmehr habe Krug das Buch "präzise durchdacht" und gestaltet: Auf der einen Seite ein Eintrag der Ukrainerin, die zwar Angst um ihre Liebsten hat, aber aktiv ist und von der Front berichtet. Auf der gegenüberliegenden Seite ein Eintrag des Russen, der wie gelähmt in St. Petersburg sitzt, und nicht weiß, was er tun soll, wenn jede Kritik am Krieg umgehend bestraft wird. Dazu jeweils eine Zeichnung von Krug, die sich durch ihren Minimalismus auszeichnet. Die Rezensentin fühlt sich regelrecht hineingezogen in den Alltag der beiden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2024

Eine große Rezension widmet Rezensent Andreas Platthaus der neuen Graphic Novel von Nora Krug, die Zusammenarbeit mit einem russischen Künstler und einer ukrainischen Journalistin entstand. In den "illustrierten Tagebücher" über den Ukraine-Krieg berichten die beiden über ihren Alltag während des Krieges, sie als Journalistin, die nicht nur wegen der Bomben in Lebensgefahr schwebt. Er als Kritiker des Krieges, der mittlerweile in den Westen flüchten musste, so Platthaus, beide müssen im Buch anonym bleiben. Besonders interessant ist genau diese Gegenüberstellung unterschiedlicher Perspektiven, findet der Kritiker, die manchmal vom gleichen Tag berichten und dabei natürlich ganz Unterschiedliches erleben. Krugs Illustrationen stehen diesmal nicht im Vordergrund, sondern unterstreichen die Schilderungen, so Platthaus. Auch beurteile Krug das Geschriebene nicht. Eine Graphic Novel, deren Protagonisten "im Menschlichen" eigentlich ganz nah beieinander sind - das kann niemanden kalt lassen, schreibt der begeisterte Rezensent.

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