Aus dem japanischen von Christoph Langemann. Der Welt folgen, sich vom Ich distanzieren: So lautet die zenbuddhistisch geprägte Devise, mit der vor allem in Japan der Autor Natsume Soseki in Verbindung gebracht wird. Angesichts dieses Mottos mag es überraschen, dass man in seinem hier vorgelegten "Hinter der Glastür" (jap. Garasudo no uchi) auf Schritt und Tritt dem Wort ich begegnet. Das Werk beschäftigt sich offenbar intensiv mit diesem Ich, denn es enthält subjektiv formulierte persönliche, episodenhafte Aufzeichnungen, die scheinbar spontan und zufällig angeordnet sind, einander aber in komplexer Weise zu einem Selbstbild des Verfassers ergänzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2012
Im Werk des 1867 geborenen Natsume Soseki finden sich sowohl die Zweisprachigkeit wie auch die zunehmende Öffnung des Landes, die den japanischen Autor zum frühen Anglisten machte, erklärt Daniela Tan. Sein autobiografisch geprägter Roman "Hinter der Glastür", ein Jahr vor seinem Tod entstanden, reiht locker Episoden aus seinem intellektuellen Leben, seiner Kindheit und Reflexionen über das Leben als solches aneinander. Dabei sind die mitunter auch humorvollen Betrachtungen laut Rezensentin nicht nur von Melancholie geprägt, sondern demonstrieren die Verbundenheit Sosekis mit dem Zen-Buddhismus, der sich um größtmögliche Lösung vom Ego bemüht. Die Übersetzung von Christoph Langemann lässt die sehr atmosphärische Sprache des Autors auch für deutschsprachige Leser hervortreten, lobt Tan, die vom "poetisch-meditativen" Ton des Buches sehr angetan wirkt.
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