Japan im zwölften Jahrhundert. Großbrände, Wirbelstürme und Erdbeben haben die Hauptstadt Kyoto zerstört, Seuchen breiten sich aus, die Leichen der Verhungerten türmen sich an den Straßenrändern. Eindrucksvoll schildert der Mönch Kamo no Chomei (1155-1216) das Inferno und die Naturkatastrophen, von denen die Hauptstadt heimgesucht wird, das Elend und die Not der Menschen werden lebendig "all diese Geschehnisse lehrten mich, die Mühsal, in dieser Welt zu leben, die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers und der menschlichen Behausungen zu begreifen." Nach den Erfahrungen von Elend, Tod und Vergänglichkeit zieht sich Kamo no Chomei im Alter von fünfzig Jahren von Hof und Amt zurück, um ein Schüler Buddhas zu werden. Er kehrt der Welt den Rücken und baut sich in den Bergen eine schlichte Klause, in der er die "Aufzeichnungen aus meiner Hütte" beginnt. Er berichtet von seinem Einsiedlerleben in der Abgeschiedenheit, seine Gedanken kreisen um das Ideal des einfachen Lebens, um die Abkehr von den materiellen Werten und um die Frage, ob ihm in seiner kontemplativen Zurückgezogenheit die Überwindung der weltlichen Bindungen geglückt ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2011
Fast scheint es so als neidete Rezensent Ludger Lütkehaus dem Autor durch die Zeit von 800 Jahren hindurch sein Eremitendasein, seine kleine Hütte in den Bergen des japanischen Hino. Möglicherweise ist es aber auch nur die tiefe Einsicht des Mönches in die Aporie des Seins, noch des voraussetzungslosesten Seins, die der Rezensent so bewundert. Dass Kamo no Chomei vor dem historischen Hintergrund der Auseinandersetzungen zwischen Kaisertum und Samurai-Kult seine Einsichten zur Apokalypse (der zerstörerischen Erdbeben) und zum Rückzug aus der Welt derart reduziert und doch plastisch notieren konnte, ohne allzu großen Selbsttäuschungen, wie der Idee von einer letztgültigen Lösung etwa, zu erliegen, scheint ihm die Lektüre wert.
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