Durch den Aufweis, dass allein das Ich denke durch keinen Zweifel in Frage gestellt werden kann, hat Descartes im Sinn einer langen philosophiegeschichtlichen Tradition eine epochale Wende des Denkens auf sich selbst bewirkt und eine unreflektiert naive Ausrichtung auf die äußeren Dinge überwunden. Obwohl viele cartesianische Positionen heute als problematisch oder sogar als überholt beurteilt werden, scheint diese ihm zugeschriebene Wende ein Standpunkt zu sein, hinter den kein modernes Denken mehr zurückfallen darf. Die Tatsache, dass Descartes die Sicherheit des Ich denke darauf gründet, dass es clare et distincte erkennbar sei, während die Anschauung nur zu dunklen und konfusen Erkenntnissen führe, wird in diesem Buch zum Anlass genommen, einen Blick zurück auf Platon zu werfen, der zum ersten Mal an eben diesen Kriterien Anschauung und Verstand unterschieden hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2011
Das rein Gegebene bei Descartes findet Hannah Lühmann nun doch etwas zu simpel. Das platonische Denken hingegen kann sie nach der Lektüre von Arbogast Schmitts Schrift über "Denken und Sein bei Platon und Descartes" gleich viel höher schätzen. So nüchtern und zugleich liebevoll der Autor seine Exegese betreibt, so klar stellt er der Rezensentin die Lebendigkeit und Differenziertheit antiker Philosophie vor Augen, namentlich des Seinsbegriffs beim alten Platon. Im Hinblick auf die andauernde Verkennnung platonischer Ideen im direkten Vergleich zum Cartesianismus eine bemerkenswerte Arbeit, findet Lühmann.
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