"Wer sich selbst und andere kennt, Wird auch hier erkennen: Orient und Okzident, Sind nicht mehr zu trennen." Navid Kermani nimmt Goethes berühmten Vers beim Wort. Er liest den Koran als poetischen Text, öffnet die östliche Literatur für westliche Leser, entdeckt die mystische Dimension in den Werken Goethes und Kleists und erschließt die politische Bedeutung des Theaters von Shakespeare über Lessing bis Brecht. Der Name Navid Kermani steht für eine literarische Weltläufigkeit, die ihre Gegner kennt: Das sind alle, die Religionen und Kulturen mit Gewalt voneinander abschotten, sie gegeneinander ausspielen wollen. Die persönliche Aneignung der Klassiker verleiht seinen Texten jene aktuelle Brisanz, die Weltliteratur noch dort ausmacht, wo sie von den privatesten Gefühlen erzählt. Denn um Liebe geht es Zwischen Koran und Kafka selbstverständlich auch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2015
Trotz kleinerer Vorbehalte gegen ein paar ästhetische Urteile Navid Kermanis findet Rainer Moritz die fünfzehn überarbeiteten Vorträge und Aufsätze des Schriftstellers aus den Jahren 1999 bis 2014 ungebrochen aktuell und im Gros überzeugend. "Zwischen Koran und Kafka" lässt auch eines der zentralen Themen des Autors anklingen, verrät der Rezensent: die Auseinandersetzung mit dem Islam, die aber eben auch das, eine echte Auseinandersetzung, sein sollte, so Moritz, der sich wünscht, dass ein paar mehr Stellungnahmen sich ein Beispiel an Kermani nehmen.
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