Ceyda Nurtsch

Jeder Atemzug ein Fest

Reportagen aus der Türkei
Cover: Jeder Atemzug ein Fest
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN 9783987913440
Kartoniert, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

In der Türkei tobt ein Gesellschaftskampf, der sich auch auf die in Deutschland lebenden Türkeistämmigen auswirkt. Tiefe Gräben trennen die verschiedenen Gesellschaftsgruppen voneinander: nationalistische Kemalisten, die einstige AKP-Basis der Partei Erdogans, Feministinnen, Kurden, Aleviten, Juden, Griechen, Armenier. Sie alle haben sich ihre eigenen, nebeneinander existierenden Realitäten geschaffen, leben in eigenen Stadtvierteln, schicken ihre Kinder auf unterschiedliche Schulen. Gleichzeitig gibt es Menschen, die diesen Kampf leid sind. Menschen, die ihre pluralistische Gesellschaft zum Strahlen bringen möchten, die das staatliche, von oben diktierte Geschichtsnarrativ ablehnen und an eine auf Solidarität aufbauende Gesellschaftsordnung glauben. Ihnen schenkt dieses Buch Gehör.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.04.2026

Viel lernt Rezensentin Karen Krüger aus Ceyda Nurtschs Buch über die Türkei der Gegenwart. Die Islamwissenschaftlerin Nurtsch beginnt mit einem Überblick über jüngere historische Entwicklungen, bevor sie anhand von fünf Reportagen die tiefe gesellschaftliche Spaltung des Landes illustriert. Unter anderem begegnen wir einer religiösen Frau, die zur Erdoğan-Anhängerin wurde, weil sie ihren Glauben offen leben wollte, einem armenischen Silberschmied und einem Türken mit jüdischen Wurzeln. Am stärksten, findet Krüger, ist ein Abschnitt, der sich mit einer Ferienanlage beschäftigt, in der laizistische, kemalistische Türken lange Zeit unter sich waren. Hier zeigt Nurtsch auf, dass die von Atatürk begründete moderne Türkei auf der Unterdrückung von Minderheiten basierte und ein homogenes Türkentum propagierte. So unterschiedlich die Milieus auch sind, die Nurtsch darstellt: Das Buch schürt bei Krüger durchaus Hoffnung, dass die Gräben zwischen den politischen Lagern auch wieder zugeschüttet werden können.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.02.2026

Ein starkes Buch über eine gespaltene Gesellschaft legt Ceyda Nurtsch, Journalistin und Islamwissenschaftlerin hier vor, findet Rezensentin Luise Sammann. Vom dichten, viel historischen Kontext liefernden Vorwort ist sie erstmal ein bisschen geplättet. Toll sind dann aber die folgenden, literarisch fein ausgearbeiteten Texte, die ganz unterschiedliche Menschen porträtieren. Eine Frau etwa, die der liberalen, freizügigen Türkei nachtrauert oder eine andere, die ihr Leben ganz der Religion widmet. Auch Angehörige ethnischer Minderheiten und ihre Versuche, sich mit dem Mainstream zu arrangieren, kommen vor. Was jedoch ausbleibt, sind die von Nurtsch versprochenen Hoffnungsschimmer - Menschen, die auf Versöhnung statt auf Spaltung setzen, sucht Sammann in diesem gleichwohl starken Buch vergebens.

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