Aus dem Amerikanischen von Simone Salitter und Gunter Blank. Der in New Orleans und später in der texanischen Hafenstadt Galveston angesiedelte Roman von Nic Pizzolatto, dem Drehbuchautor der HBO-Serie "True Detective", schildert die Läuterung des Syndikat-Killers Roy Cady, dessen Leben eine abrupte Wendung nimmt, als ihm vormittags Lungenkrebs diagnostiziert wird und sein Boss ihn abends wegen einer Eifersuchtsgeschichte umlegen lassen will. Bei dem Anschlag rettet er nicht nur sich, sondern auch einen Teenager, mit dem er sich fortan auf der Flucht befindet.
Im Perlentaucher:
Mit Napalm gesprenkelt
Die Dramatik des Romans speist sich weniger aus dem Plot als aus Cadys tragischer Liebe zu Rocky, der kindlichen Hure, und dabei scheut Pizzolatto weder Pathos noch Sentimentalität. Insofern hat "Galveston" nicht nur eine neue Spießigkeit in den Noir gebracht, sondern auch die Melodramatik. Thekla Dannenberg in Mord und Ratschlag
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2014
Bevor der Text auf die Leinwand kommt, nimmt sich Rezensent Hannes Hintermeier Nic Pizzolattos Romandebüt aus dem Jahr 2010 vor. Nein, entäuscht ist er nicht, auch wenn das Buch um den schwer gebeutelten Auftragskiller Roy Cady für ihn kein Pageturner ist und eher auf Seelenstimmungen abhebt. Genug Gewalt und Verfolgungen bietet ihm der Autor ja auch. Und jenes schwärzeste Schwarz im Ton, das Hintermeier gefällt. Vor allem aber scheint ihm der Autor sprachlich äußerst sattelfest zu sein, rauh, präzise und einfühlsam zugleich sei seine Sprache, schreibt der Rezensent, der bei Pizzolatto mit Amerikas Süden bzw. Ostküste nun auch ein neues Terrain für den Noir entdeckt hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2014
Rezensent David Steinitz ist hin und weg: Nic Pizzolattos nun auch auf Deutsch erschienener Debütroman "Galveston" steht seinen gefeierten, sensationellen Drehbüchern, etwa für die HBO-Serie "True Detective" - welcher der Roman als Vorlage dient - in nichts nach, jubelt der Kritiker. Einen klassischen Noir-Krimi liest der Rezensent hier, der durchaus immer wieder Elemente des Genres parodiert und virtuos verändert: Nicht die Westküste, sondern "Ostküsten-Texas-Tristesse" steht im Vordergrund, informiert Steinitz, der hier dem gutherzigen Auftragskiller Roy, einem "großstädtischen Update des einsamen Cowboys" und der jungen Prostituierten Rocky folgt, die nach einem gescheiterten Mordversuch auf der Flucht sind. Zwischen zahlreichen actionreichen, finsteren und depressiven Passagen erlebt der Kritiker vor allem aber Momente "schönster melancholischer Anmut" und die Reise des Protagonisten zu sich selbst.
Dass die besten Geschichten oft die einfachen sind, findet Jan Küveler beim Lesen dieses noch vor dem Skript für die Erfolgsserie "True Detective" entstandenen Romans von Nic Pizzolatto bestätigt. Was hardboiled ist, kann er hier nachlesen, wenn der Autor seinen Ganoven Cody durch die Halbwelt von New Orleans tappen lässt, zwischen Selbstmitleid und dem nächsten Bordellbesuch. Maximal finster sind die Sätze, aber auch maximal dem Wunsch des Autors untergeordnet, weniger Plot- als Reflexionslieferant zu sein. Die unterkühlte Perspektive des Textes und sein Noir-Touch gehen für Küveler gut zusammen.
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