Niklas Luhmann

Die Grenzen der Verwaltung

Cover: Die Grenzen der Verwaltung
Suhrkamp Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783518587737
Gebunden, 254 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Nach mehrjähriger Tätigkeit in der niedersächsischen Ministerialverwaltung und einem Aufenthalt bei Talcott Parsons in Harvard wechselte der studierte Jurist Niklas Luhmann Anfang der 1960er Jahre an die Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Dort entstand der Entwurf einer allgemeinen Theorie der Verwaltung, welche die Verwaltungswissenschaft auf ein neues Fundament stellen sollte. Er wird nun unter dem Titel "Die Grenzen der Verwaltung" erstmals publiziert. Luhmann bestimmt darin zunächst, was er als die Aufgabe einer Verwaltungsorganisation sieht: das Erzeugen verbindlicher Entscheidungen, um sich dann der wesentlichen Herausforderung zuzuwenden, der sich ein solches soziales System gegenübersieht: dem Management seiner eigenen Grenzen. Mit wenigen systemtheoretischen Begriffen und angereichert durch die eigene praktische Erfahrung, zeigt er, wie Verwaltungen die unterschiedlichen Erwartungen ihrer Umwelten so ausbalancieren, dass ihre Grenzen stabil und ihre Strukturen funktionsfähig bleiben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2022

Rezensent Wolfgang Seibel erfährt Wissenswertes über den Konnex von Systemstabilität und "multirationalen" Kompromissen in der Verwaltung in diesem aus dem Nachlass publizierten Fragment von Niklas Luhmann. Luhmanns Abstraktionen lassen für Seibel die (deutsche) Verwaltungsrealität durchaus scharf durchscheinen. Dem Leser legt Seibel ans Herz, zuerst das Nachwort der Herausgeber zu lesen, um etwa die Überschneidungen des Textes mit Luhmanns "Funktionen und Folgen formaler Organisation" von 1964 oder auch seine Bezüge zu biologischen Systemen oder der Theorie sozialer Organisation bei Talcott Parson besser zu erkennen. Über die Natur "semipermeabler Grenzen zwischen Innen und Außen" in der öffentlichen Verwaltung lässt sich in dieser systemtheoretischen Behandlung des Themas einiges lernen, meint Seibel, auch wenn Luhmanns Zugriff eher konventionell ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.11.2021

Glauben wir Jürgen Kaube ist der aus dem Nachlass herausgegebene Band mit Niklas Luhmanns Gedanken zur Verwaltung und ihren Grenzen, unterhaltsame, erhellende Lektüre. Dem ewigen Klagen über die Bürokratie setzt der Autor schon 1964 etwas entgegen, indem er ihre natürlichen Grenzen (die Politik, die Verbände, die Beamten selbst) sichtbar macht und Grenze als Möglichkeit der Freiheit definiert, erläutert Kaube. Dass die Verwaltung schlicht unkontrollierbar ist und geradezu sein muss, vermittelt Luhmann dem Leser laut Kaube auf ebenso analytische wie empirisch gestützte Weise, schließlich war der Autor in den Fünfzigern selbst Verwaltungsbeamter, erinnert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2021

Rezensent Julian Müller kann "Die Grenzen der Verwaltung" sowohl den Anhängern wie den Gegnern Niklas Luhmanns empfehlen. Denn hier werde deutlich, wie sehr die Erfahrungen als Verwaltungsbeamter in Luhmanns Denken eingeflossen sind. Und alle, die ihn für einen weltfremden Theoretiker hielten, werden vielleicht mit dieser "präzisen Ethnografie" des bürokratischen Alltags andere Seiten an Luhmann entdecken können, übrigens auch komische, wenn er etwa das Büro nicht nur als System des Verwaltungshandelns beschreibt, sondern als Ort, an dem Butterbrote gegessen werden, meint Müller. Interessant und lehrreich findet er die Ausführungen außerdem, da Luhmann der Frage nachgeht, für welches Problem Anonymität eigentlich die Lösung sei. Dann lernt er, dass gerade "stabile Erwartungen", jenseits von persönlichen, politischen oder lobbyistischen Interessen die große administrative Errungenschaft darstellten.

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