Klappentext

Nach Stationen bei der UN in New York und Burundi arbeitet Mira für das Büro der Vereinten Nationen in Genf. Während sie tagsüber Berichte über Krisenregionen und Friedensmaßnahmen schreibt, eilt sie abends durch die Gänge der Luxushotels, um zwischen verfeindeten Staatsvertretern zu vermitteln. Bei einem Empfang begegnet sie Milan wieder, in dessen Familie sie nach der Trennung ihrer Eltern im Frühjahr 94 einige Monate gelebt hat. Die Erinnerungen an diese Zeit, aber auch Milans unentschiedene Haltung zwischen gesuchter Nähe und schroffer Zurückweisung überrumpeln und faszinieren sie zugleich. Als ihre Rolle bei der Aufarbeitung des Völkermords in Burundi hinterfragt wird, gerät auch Miras Souveränität ins Wanken, ihr Glaube, sie könne von außen eingreifen, ohne selbst schuldig zu werden.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.09.2019

Wolfgang Schneider sieht in Nora Bossongs Roman um eine zynische, liebesunglückliche UN-Diplomatin einen UN- und Lebensblues von überdurchschnittlicher literarischer Qualität, auch wenn ihm das Buch mit seiner melancholischen Grundstimmung moralisch nicht so dringlich vorkommt wie Lukas Bärfuss' "Hundert Tage". Die Spannung zwischen Idealen und politischer Wirklichkeit vermag ihm Bossong lässig zu vermitteln, mit Mira Weidner erschafft sie zudem ein komplexe Ich-Erzählerin, die dem Leser nuancenreich die Gefühls- und Gedankenwelt einer Diplomatin erschließt, erklärt Schneider. Mit seinen mannigfachen Zeitebenen und Schauplätzen wirkt der Text auf Schneider selbst wie ein UN-Gebäude.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.09.2019

Kunstvoll und klug findet Rainer Moritz Nora Bossongs neuen Roman über eine UN-Mitarbeiterin und ihr schmales Privatleben. Wie die Autorin zwischen mehreren Handlungsorten und -zeiten springt, die Atmosphäre unterschiedlicher Orte und immer gleicher Hotels und einfängt und ihre Figur immer am Rand des Zynismus über Machtstrukturen, Weltpolitik und den Sinn von UN-Missionen nachdenken lässt, scheint Moritz gelungen. Dass Bossong keinen Thesenroman schreibt, sondern Fragen eher stellt als beantwortet und ihre Geschichte sprachlich und erzählerisch überzeugend fasst, stellt der Rezensent mit Erleichterung bzw. verhaltener Begeisterung fest.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.09.2019

Tomasz Kurianowicz ist begeistert von Nora Bossongs Roman über die Enttäuschungen einer Diplomatin bei der UN. Wie die Autorin persönliche Liebesleiden mit Weltpolitik verschneidet und die Doppelmoral und Gleichgültigkeit großer Politik veranschaulicht, findet der Rezensent so geschickt gemacht und sprachlich überzeugend wie fordernd. Schwer erträglich findet er den von Leerstellen geprägten unerbittlichen Blick der Autorin auf die Verhältnisse, die vordergründig direkte Sprache, die hintergründig zerfasert, spiegelt für ihn die Orientierungslosigkeit der Figuren. Eine klug konstruierte, fleißig recherchierte Entmythisierung der UN, so Kurianowicz.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.09.2019

In diesem Roman verknüpft Nora Bossong gekonnt die Geschichte der zwei Liebesaffären ihrer Hauptfigur mit deren Haltung gegenüber den Vereinten Nationen, für die sie arbeitet, lobt Rezensent Carsten Otte. In Burundi als Friedensbotschafterin abgestellt, erfährt die Protagonistin Mira, wie schwer es tatsächlich ist, für Menschenrechte zu streiten, und wie oft dabei Grauzonen beschritten werden. Außerdem verliebt sie sich dort in einen Rebellen, der deutlich erkennen lässt, dass er seine Ziele nicht nur friedlich durchsetzen will. Zu Hause wiederum hat Mira eine Affäre mit einem verheirateten Mann, erzählt der Kritiker. Otte staunt, wie gut die Autorin "die moralischen Ambivalenzen auf der politischen Weltbühne mit den Doppelbödigkeiten im Alltag" parallelisiert, ohne dabei dogmatisch zu werden. Das Resultat beschreibt er als einen tiefsinnigen Roman, der die umstrittene UN insofern aufs Schönste literarisch thematisiert, als er "keine naive Selbstbestätigungsideologie" aufruft.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.09.2019

Der Roman der jungen Autorin spielt im Milieu internationaler politischer Missionen, die von Vergeblichkeit geprägt sind. Die Beteiligte sprechen jedoch selbst nie vom Scheitern, so Rezensent Thomas E. Schmidt. Er hebt hervor, dass es in diesem Roman der düsteren Szenen eines ebenso privilegierten wie hohl-hedonistischen UN-Lebens auch und vor allem um Literatur gehe. Nachdrücklich weist er darauf hin, dass den Lesern hier einiges abverlangt wird, wenn sie den verschlungenen Wegen der Recherche, den Debatten über Gut und Böse sowie der melancholischen Liebesgeschichte der Hauptfigur folgen wollen. Vor allem die Konstruktion des Romans auf sieben Zeitebenen hat den Rezensenten beeindruckt, ebenso wie die im Brüchigen und Assoziativen des Erzählens entstehende Dekonstruktion der Ideen. Die Hauptrolle werde an das Erzählen selbst vergeben. Und das findet der Rezensent besonders passend für den afrikanischen Kontinent, dessen Geschichten sich "jenseits der linearen Vernunft" ereigneten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2019

Nicht enthusiastisch, sondern sehr anerkennend schreibt Rezensent Christoph Schröder über Nora Bossongs neuen, ausgesprochen komplexen Roman. "Schutzzone" erzählt von der deutschen UN-Mitarbeiterin Mira, die, wie Schröder informiert, in Burundi in eine offenbar zweifelhafte Rolle gerät, aber als Erzählerin auch nicht unbedingt mit der ganzen Wahrheit über sich und ihr Tun herausrückt. Das Private und Politische verschwimmen, stellt Schröder fest, Motivlagen werden so uneindeutig wie bürokratische Prozessen, und die großen Begriffe wie Gerechtigkeit, Versöhnung oder Frieden zerrinnen in einem "imponierenden sprachlichen Variantenreichtum". Dem Rezensenten gefällt, dass Bossong Fragen stellt, ohne Antworten zu geben. Er berichtet von grandiosen Szenen und Sätzen, die sich ihm in ihrer Kälte einbrennen: "Menschen sind immer ein Problem, und das Problem werden sie nicht los", zitiert Schröder und schaudert.
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