Das politische Klima in Deutschland ist vergiftet: Die öffentliche Wahrnehmung ist auf das fixiert, was unser Land spaltet. Und die Lautstärke von Debatten wird mit ihrer Dringlichkeit verwechselt.
Es ist höchste Zeit für ein Ende der Dauer-Empörung. Denn die Gräben haben sich vertieft: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger begegnen einander misstrauisch und aggressiv. Immer mehr Menschen fühlen sich von der Politik nicht mehr repräsentiert, sondern nur noch regiert. Und die Medien stehen unter dem Verdacht, für mehr Quote Sachlichkeit und Information zu verraten.
Der Zeit-Redakteur Jochen Bittner analysiert sieben Themen, die mit zu viel Emotion und mit zu wenig Sachlichkeit debattiert werden: Migration, Integration, Islam, Leitkultur, Heimat, Feminismus und Journalismus. Dabei deckt er gesellschaftliche Lebenslügen auf und spürt starren Denkschablonen nach, die nur eins bewirken: die Atmosphäre weiter aufzuheizen. Dagegen stellt er Vorschläge für neue Denkrichtungen vor und lädt dazu ein, miteinander um die Sache zu ringen, denn - davon ist Bittner überzeugt: "Deutschland, du kannst es besser!"
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2019
Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Dieselkrise - seit Jahren kommt Deutschland nicht aus dem Krisenmodus heraus, wird die Gesellschaft von Abstiegsangst und Zukunftssorgen umgetrieben und in gegnerische Lager gespalten, die sich verständnislos und bisweilen feindselig gegenüberstehen. Zeitdiagnostische Sachbücher haben da Konjunktur, und Christoph Dorner hat sich einen Stapel davon vorgenommen, darunter "Zur Sache, Deutschland" des Zeit-Redakteurs Jochen Bittner, das sich in der erhitzten Debatte als erfreulich vernunftgeleiteter Beitrag angenehm abhebt, wie der Rezensent feststellt. Der Autor reflektiert darin die Rolle der Medien und ihren Anteil am Vertrauensverlust in die Medien und nicht zuletzt in die liberale Demokratie, referiert Dorner. Bittners Wunsch nach einer ehrlicheren Debatte auch über potenzielle negative Folgen von Migration kann sich Dorner nur anschließen, ebenso der Forderung nach einem effektiveren und pragmatischeren Umgang mit Migranten, die nur eine schnelle Arbeitserlaubnis vor dem "Abgleiten in Schattengesellschaften" bewahren kann. Alles in allem bietet Bittners Buch für den Rezensenten einen "guten Überblick über die großen Baustellen der Republik".
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