Aus dem Englischen von Anne-Kristin Mittag. "Ich wurde geschaffen, um zu sterben, doch ich bin jetzt hier, um zu bleiben" schreibt Ocean Vuong in seinem neuen Gedichtband, der eine Elegie für seine verstorbene Mutter enthält. Der Schmerz und die Freude, die Gewalt und die Zartheit, die Andersartigkeit von Begehren und sozialer Herkunft, die gespaltene Identität des Einwandererkindes - in "Zeit ist eine Mutter" finden sich diese Themen, aber auch Provokationen wie das Gedicht "Amazon-Verlauf einer ehemaligen Nagelstudioarbeiterin".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.05.2022
Rezensentin Miriam Zeh stellt die Lyrikbände zweier "Lyrikstars aus den USA" gegenüber, die beide Migrationserfahrung gemacht haben und die Kriege ihrer Herkunftsländer thematisieren. Der mit zwei Jahren aus Vietnam in die USA gekommene Ocean Vuong widme seinen zweiten auf Deutsch erschienenen Gedichtband zwar vordergründig seiner verstorbenen Mutter, verarbeite aber auch die migrantische Erfahrung und die Reaktionen darauf in den USA, resümiert Zeh. Allerdings würden einige Gedichte "versanden", bemerkt die Rezensentin, sie vermisst in diesem Werk teils den Zusammenhang und sucht vergeblich gemeinsame Themen, eine "schlüssige Form". Die Übersetzung von Anne-Kristin Mittag verstärke diesen Eindruck, indem sie Vuongs "rasante Fahrt durch Poetry Slam und Popkultur" mit "Behäbigkeit" abbremse, stellt Zeh enttäuscht fest.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2022
Rezensent Samir Sellami macht allerhand Entdeckungen im zweiten Gedichtband von Ocean Vuong - und wird doch nicht ganz glücklich mit den versammelten lyrischen Stücken. Etwas abgenutzt erscheint ihm Vuongs ungebrochene Empfindsamkeit inzwischen, wenn auch nicht durchgehend. Keineswegs handelt der Band nur vom Tod der Mutter, auch Winter, Krieg, Künstlerexistenz oder "Nacktbaden unterm Guillotinenhimmel" spielen eine Rolle, klärt Sellami auf. Surrealismus blitzt auf, das gekonnte Spiel mit Erinnerungen ebenfalls, aber nicht alle Gedichte sind rund, seufzt der Kritiker: Füllwörter, Mut- und Humorlosigkeit und der Mangel an Reibung lassen Sellami eher enttäuscht zurück.
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