Ob Goethe ganz zuletzt "Mehr Licht!" gesagt hat, werden wir nie erfahren. Fest steht, dass er es hätte sagen sollen: Der Spruch bringt Jahrzehnte seiner Forschung zu Farben, Licht und Finsternis auf den Punkt. Die Erhöhung der Helligkeit, auf die Goethe abzielte, führt zu ganz konkreten, exakt reproduzierbaren und überraschenden Experimenten. Gegen die verfehlte Goethe-Kritik zweier Jahrhunderte zeigt der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Olaf L. Müller anhand ausführlich illustrierter Experimente, wo Goethe gegen Newton gewonnen hat und welchen Gewinn wir daraus ziehen können. Goethe war nicht nur ein gewiefter Experimentator - er war auch ein begnadeter Wissenschaftsphilosoph.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.09.2015
Christoph Lüthy hat seinen Spaß, aber auch seine Zweifel mit Olaf L. Müllers "barockem" Wissenschaftsbuch. Goethes Auseinandersetzung mit Newtons Lichtexperimenten und die Folgen für die Geschichte der Optik vermag der Naturphilosoph und Wissenschaftstheoretiker Müller dem Rezensenten zwar angereichert mit beachtenswerten Ergebnissen und in formell ansprechender Art und Weise, plaudernd und ungezügelt, zu vermitteln. Den Beweis, dass Goethe Recht und Newton sich geirrt hatte, liefert der Text für Lüthy allerdings nicht. Die vom Autor bemühte Theorie wirkt konstruiert, und Newtons Optik ist ohnehin schon lange widerlegt, meint der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2015
Wolfgang Krischke empfiehlt etwas Straffung, fühlt sich ansonsten aber reich beschenkt mit diesem Buch des Wissenschaftstheoretikers Olaf L. Müller über Goethes Farbenlehre und die Frage, was dran ist an Goethes Fähigkeiten als Physiker. Kein allzu leichtes Terrain, meint Krischke und freut sich, vom Autor an die Hand genommen zu werden, wenn der Goethes Newton-Rezeption mit aktueller physikalischer Forschung abgleicht und zu dem viele bisherige Kommentatoren abkanzelnden Schluss kommt: Goethe war ein moderner Kritiker wissenschaftlicher Borniertheit und ein ernstzunehmender Physiker. Auch wenn das dem Rezensenten etwas allzu forsch mit dem Skalpell herauspräpariert erscheint - des Lesens wert ist es, so Krischke.
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