Olga Grjasnowa

Die Macht der Mehrsprachigkeit

Über Herkunft und Vielfalt
Cover: Die Macht der Mehrsprachigkeit
Bibliographisches Institut, Berlin 2021
ISBN 9783411756582
Gebunden, 128 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Mehrsprachigkeit ist, wie die Schriftstellerin Olga Grjasnowa zeigt, ein Phänomen mit erstaunlich vielen Facetten. Oft gilt sie nur als Kennzeichen guter oder gar elitärer Bildung, dabei ist sie für immer mehr Menschen und Familien hierzulande eine Selbstverständlichkeit. In jedem Fall handelt es sich um eine Fähigkeit, die etwas über die individuellen Biografien wie auch über die sich wandelnde Gesellschaft insgesamt erzählt. Wie ist es, zwischen zwei oder sogar drei Sprachen hin und her wechseln zu können? Warum wird Französisch als Zweitsprache mehr geachtet als Türkisch? Sollte Mehrsprachigkeit nicht generell viel mehr Wertschätzung erfahren und gezielt gefördert werden? Und sorgen die immer leistungsstärkeren Übersetzungsapps und Englisch als die neue Lingua franca womöglich dafür, dass wir uns jeweils mit nur noch einer Sprache begnügen? Grjasnowas Text ist Ausdruck ihrer Überzeugung, dass Sprache und Identität eng zusammenhängen - und dass jede Sprache einen ganz eigenen Zugang zur Welt eröffnet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2021

Rezensentin Anna Schiller hätte sich etwas weniger politische Polemik gewünscht in Olga Grjasnowas Sachbuch über das Leben in Deutschland als "Nicht-Muttersprachler". Dass die Autorin den deutschen Monolingualismus bis zum Nationalsozialismus zurückverfolgt, wäre laut Schiller nicht nötig gewesen. Auch so bestechen die gesammelten Erfahrungen der Autorin mit Mehrsprachigkeit und Linguizismus und ihre Ausführungen zur imaginierten Gesellschaft nach Anderson. Die Lösungsvorschläge der Autorin findet Schiller dagegen banal.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.06.2021

Rezensentin Simone Heine scheint mitzugehen bei Olga Grjasnowas Kritik am Umgang mit Mehrsprachigkeit in Deutschland: Zwar schickten bildungsbürgerliche Eltern ihre Kinder auf multilinguale Schulen, doch grundsätzlich sei das Bildungswesen immer noch monolingual, und wenn multilingual, dann nur an "Prestige-Sprachen" ausgerichtet, resümiert Heine die Grundthesen der Bestsellerautorin. Ohne ganz in die wissenschaftliche oder philosophische Richtung zu gehen, so Heine, stützt sich Grjasnowas Essay auf wissenschaftliche Erkenntnisse und PhilosophInnen wie Jacques Derrida oder Judith Butler. Dabei füge die in Aserbeidschan geborene Autorin dem ganz persönliche Erfahrungen bei, was die Rezensentin für wichtig hält: Dem Leser die Unsicherheit und "Beschämung" greifbar zu machen, die es bedeutet, in der Schule wegen mangelnder Deutschkenntnisse mehrere Klassen zurückgestuft zu werden, verleiht Grjasnowas Buch "besondere Schubkraft", lobt Heine.

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