Nicht nur männliche "Gastarbeiter", auch viele Frauen kamen seit 1955 als Lohnarbeiterinnen in die Bundesrepublik. Monika Mattes untersucht erstmals umfassend die auf Frauen zielende Anwerbepolitik, die bestimmt war durch die Nachfrage frauentypischer Branchen nach jungen, körperlich-psychisch stabilen Arbeiterinnen. Zugleich zeigt sie, dass die Migrantinnen mit Protesten und Streiks durchaus ihre Interessen wahrnahmen und dass andererseits die staatlichen Regelungen völlig außer Acht ließen, dass Arbeitsmigration von Anfang an Familienmigration war. Migrantinnen, auch das wird deutlich, wurden auf dem westdeutschen Arbeitsmarkt weniger deshalb benachteiligt, weil sie nicht deutsch waren, als vielmehr deshalb, weil sie Frauen waren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2006
Durchaus instruktiv erscheint Andreas Rödder diese Arbeit über Gastarbeiterinnen in der frühen Bundesrepublik von Monika Mattes. Er bescheinigt der Autorin, die zentrale Bedeutung der Kategorie des Geschlechts in der Arbeitsmigration hinsichtlich der Anwerbungspolitik, der geschlechterspezifischen Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt oder der Entlohnung zu erhellen. So verdeutliche Mattes etwa die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Lohnpolitik. Dass die Ergebnisse dieser Untersuchung etwa im Blick auf die geschlechterspezifische und ethnische Strukturierung des Arbeitsmarktes und der Sozialstruktur nicht unbedingt brandneu sind, will Rödder nicht verschweigen. Dennoch lobt er die Autorin, weil sie bedeutende Phänomene klarer herausstellt.
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