Mit Abbildungen von Laura Fronterré. Ausgehend von diesem unscheinbaren Imbissgericht erzählt Eberhard Seidel die über 60-jährige Geschichte des türkischen Lebens in Deutschland neu: vom Anwerbeabkommen über die ökonomischen, sozialen und gesellschafts-politischen Bedingungen, die die Entwicklung des preiswerten gastronomischen Klassikers begünstigt haben, bis hin zum rassistischen Terror des NSU, der zunächst als "Döner-Morde" durch die Presse ging. Seidel trifft Dönerproduzenten, Bäcker, Imbissbesitzer. Dabei lernen wir ganz nebenbei mehr als in jeder großen soziologischen Studie darüber, wie die Eingewanderten und ihre Nachkommen nicht nur die Essensgewohnheiten der Menschen, sondern das Land von Grund auf verändert haben. Das ABC des Döner Kebaps mit dem Rezept des Kochs Hamdi aus Kastamonu, das Rezept des Kochs Iskender aus Bursa sowie der Anleitung zur Dönerzubereitung à la Renan Yaman. Und mit vielen neuen Erkenntnissen zur Entstehungsgeschichte des Döner Kebaps im Osmanischen Reich, der Türkei und in Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2022
Rezensent Jörg Thomann scheut sich nicht, den Soziologen Eberhard Seidel als "Grandseigneur der Dönerwelt" zu titulieren. Entsprechend viel Information über den Döner entnimmt der Kritiker denn auch dieser Kulturgeschichte: Er liest vom Siegeszug des Kebabs seit den Siebzigern, dem immensen Fleischkonsum der Deutschen und dem wesentlich geringeren der Türken, der unklaren Herkunft des Kebabs - für Seidel ist schlicht eine ganze "Gründergeneration" verantwortlich - oder der Dönerbude als Begegnungsstätte, wo "Hans und Mustafa ins Gespräch" kamen. Dass die NSU-Morde als "Dönermorde" bezeichnet wurden oder der Gammelfleischskandal der Nullerjahre vor allem in Verbindung mit dem Döner gebracht wurde, ist für den Autor indes Beleg dafür, dass der Kebab noch immer nicht vollkommen in der deutschen Kultur angekommen ist. Das Buch unterhält den Rezensenten bestens, einiges hat er allerdings schon in anderen Büchern Seidels gelesen. Und warum der Döner zur Emanzipation der Frauen beigetragen haben soll, wie der Autor behauptet, hätte Thomann schon gern erfahren.
Rezensentin Cosima Lutz hat Freude daran, sich angeregt von Eberhard Seidels Buch an ihren ersten Döner zu erinnern und sich selbst in einem "Stück türkisch-deutscher Geschichte" zu verorten. Als Döner-Experte liefert ihr der Soziologe Meinungen und Geschichten über das Hassobjekt Döner, aber auch Liebeserklärungen und so manches Zeugnis für ein heftig gespaltenes Verhältnis zum Drehspieß, etwa bei türkischen Akademikern. Über den Ursprung des Döners, Pro-Kopf-Verzehr und den schleichenden Qualitätsverfall des Gehackten kann keiner so kenntnisreich erzählen wie Seidel, versichert die Rezensentin.
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