Die "albanische Frage", die Zukunft des Kosovo, beschäftigt die europäische Politik. Warum kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen? Welche Rolle spielt dabei der albanische Staat, der 1912 nach Ende des Osmanischen Reiches entstanden ist, aber nur gut die Hälfte aller Albaner umfasst? Und welche Bedeutung hat die Tatsache, dass die Albaner das größte muslimische Volk Europas sind? Erstmals schildert das vorliegende Buch die Geschichte aller Albaner in Südosteuropa, in Albanien, aber auch in Kosovo, Makedonien, Montenegro und Griechenland. Viele Jahre war Albanien unter dem Diktator Enver Hoxha von aller Welt isoliert. Seit 2008 gibt es mit Albanien und Kosovo zwei albanische Staaten, die beide mit schweren politischen und wirtschaftlichen Problemen kämpfen. Die Albaner stellen sich heute zunehmend die Frage, wohin sie gehören: zum islamischen Orient oder zum europäischen Okzident?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2012
Löblich findet Rezensentin Marie-Janine Calic an diesem Buch von Oliver Jens Schmitt über die Herkunft des albanischen Volkes das Eintauchen des Autors in die Forschungsprobleme und die detaillierte Darstellung der konkurrierenden Theorien. Illyrische Wurzeln, wie die Albaner es so gerne hätten, kann Schmitt nicht bestätigen. Weiterhin gefällt Calic die Erläuterung soziokultureller Phänomene, Blutrache und Gewohnheitsrecht. Hier nun setzt auch das Bedauern der Rezensentin an. Denn wie sich die Religionsgemeinschaften oder die Stammesgesellschaft der Gegenwart gestalten, vermag der Autor ihr nicht zu vermitteln. Der Bezug zum Heute fehlt weitgehend. Der Kosovo-Konflikt wird gar nur in einem Absatz abgehandelt. Bei allem Verdienst des Buches um die albanische Geschichte, das Zeithistorische kommt der Rezensentin hier entschieden zu kurz.
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