Günter Joetze

Der letzte Krieg in Europa?

Das Kosovo und die deutsche Politik
Cover: Der letzte Krieg in Europa?
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart/München 2001
ISBN 9783421055026
Kartoniert, 224 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Deutsche Soldaten im Kosovo, deutsche Diplomaten wieder führend auf internationalem Parkett. Eine ungewohnte Situation für die neue Bundesrepublik. Wird Deutschland seiner Rolle gerecht? Kann Europa den Frieden im Kosovo gewinnen? Im Kosovo-Krieg haben erstmals seit 1945 deutsche Soldaten gekämpft. Und erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg übernimmt die deutsche Diplomatie eine führende Rolle beim Friedensschluss. Wie bewegt sich die Berliner Republik auf internationalem Parkett? Wird sie ihrer Aufgabe gerecht? War es der letzte Krieg in Europa? Die Deutschen haben ihre Beteiligung am Kosovo-Krieg noch lange nicht verarbeitet. Günter Joetze hat die Akten des Außenministeriums eingesehen und mit maßgeblichen Akteuren gesprochen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2002

Das wichtigste am Titel dieser Studie des Diplomaten Günter Joetze sei das Fragezeichen, meint Curt Gasteyger. Denn ob der Kosovo-Krieg für mehr "Stabilität und Frieden" auf dem Balkan gesorgt hat, halten Rezensent wie Autor für fraglich. Die Geschichte dieser Region seit 1914 sei so kompliziert verlaufen, dass der Rezensent eine friedliche Koexistenz der verschiedenen Ethnien noch nicht gegeben sieht. Die "kenntnisreiche" Studie Joetzes, basierend im wesentlichen auf Interviews mit "führenden Zeitzeugen und Akteuren" lasse nichts Gutes für die Zukunft erwarten, so Gasteyger, der auch auf eine weitere Studie von Dmitri Trenin, "The End of Eurasia", hinweist, die in ähnlicher Weise auf die vielschichtigen Probleme der vielen Staaten der ehemaligen Sowjetunion aufmerksam mache.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001

Der Autor Joetze, der selbst 20 Jahre im Auswärtigen Dienst tätig gewesen ist, bemüht sich in dieser Studie um eine Rekonstruktion der deutschen Außenpolitik während des Kosovo Kriegs. Dass seine Einschätzungen für Widerspruch sorgen würden, wisse der Autor selbst, wie der Rezensent Andreas Bock am Ende seiner Besprechung feststellt, dennoch lege Joetze seine Ausführungen überzeugend dar. Er versuche zu erklären, warum sich die westlichen Länder in der Einschätzung des Konflikts derart getäuscht hat, und ihm gelingt nach Bock auch eine Analyse der Macht in der internationalen Politik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.11.2001

"Es fehlt das europäische Konzert", notiert Rezensent Ulrich Menzel als Fazit des vorliegenden Buches, das er nüchtern und informativ findet. Die europäischen Streitkräfte, so der Autor, seien "in jeder Hinsicht" zu schlecht ausgestattet, um Militäreinsätze mit möglichst wenig Opfern durchführen zu können. Auch hätten die politisch Verantwortlichen die Risiken des Kosovo-Krieges falsch eingeschätzt. Der Autor biete in seiner sachlichen Darstellung auch Möglichkeiten an, wie die Europäer in Zukunft vorgehen könnten: Etwa eine Modernisierung der jeweiligen Armeen oder ein gemeinsames europäisches Herr kämen für Joetze in Frage, der drei Jahrzehnte im Diplomatischen Dienst arbeitete. Im Kosovo hätten zwar die Amerikaner "nahezu alles alleine entschieden" - auf diplomatischem Parkett allerdings hätte die Bundesregierung Bedeutung gehabt. "Das Buch ist weniger eine Geschichte des Kosovo-Kriegs als eine Geschichte der politischen Bemühungen, ... den Krieg zu vermeiden", fasst der Rezensent zusammen.

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