Die Geschichte der Universität Prishtina spiegelt in vielerlei Hinsicht die wechselvolle Geschichte Kosovos der vergangenen Jahrzehnte wider, wobei die Jahre von 1989 bis 1999 die spannungsreichen waren. Blerim Canaj betrachtet diese Zeit durch das Prisma der Universität Prishtina, der Bildungsstätte, die nach dem Tod Titos zum Brennpunkt vieler Spannungen wurde. In acht eng an der Zeitgeschichte des ehemaligen Jugoslawiens und Kosovos orientierten Kapiteln analysiert der Autor die Bedeutung der Universität Prishtina als einen sozialen Ort und als Ursprung aller politischen Entwicklungen in Kosovo. Es wird deutlich, dass die Lehrenden und Studierenden eine entscheidende Rolle in der neueren Geschichte (bis zur Befreiung) Kosovos während der 1980er und 1990er Jahre spielten und dass ohne Kenntnis der Universitätspolitik die politische Geschichte der Zeit nicht in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2023
Michael Martens liest mit Interesse Blerim Canajs Studie über die Rolle der 1970 gegründeten Universität Prishtina im Kosovo Konflikt, die gleichzeitig auch eine Geschichte des Kosovos von den Siebzigerjahren bis zur NATO-Intervention 1999 darstellt. Serbisch-nationalistische Stimmen empfanden die Universität als "Hochschule für Serbiens größte Minderheit" von ihrer Gründung an als Gefahr, liest Martens bei Canaj. Durch von Belgrad dirigiertes Lehrpersonal versuchte man eine "kommunistische, pro-jugoslawische" Studentenschaft zu formen, stattdessen entwickelte sich Prishtina mehr und mehr zu einem Ort des Protestes für die albanische Bevölkerung, weiß Martens. 1981 weitete sich eine Demonstration der Studenten gegen das schlechte Mensaessen zu einer albanischen Protestwelle im ganzen Kosovo aus. Später versuchte Milosevic durch eine "Serbisierung" der Universität die Entwicklungen rückgängig zu machen, woraufhin sich der kosovarische "Schattenstaat" bildete. Das alles findet Martens hier ausführlich dokumentiert.
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