Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Ein junger Mann kommt zu sich. Um ihn verstreut seine unglücklicheren Kameraden. Alle tot. Eine Geschichte von Heute, in einem nicht genannten Land. Der junge Mann steht auf. Ein paar Meter weiter ein Wagen, ein Skoda, ausgebrannt. Auch er eine Zielscheibe des Luftangriffs. Im Inneren des Wagens, zusammengekrümmt, ein Mann und eine Frau. Tot. Einzig ein Baby atmet noch. Ein kurzes Zögern, der junge Mann nimmt das Kind und macht sich auf den Weg. Hinein in eine gewalttätige Welt, in der eine zärtliche Beziehung zwischen dem jungen Mann und dem wenige Wochen alten Kind entsteht. Unterwegs auf einer Straße der Brutalität und Erniedrigung. Kleine Momente menschlicher Barmherzigkeit. Die Schönheit des Lebens scheint auf in der Absurdität des Todes. Eine Parabel über den Krieg in unserer Welt. In Europa oder anderswo. Die Sinnlosigkeit des alltäglichen Grauens. Die Schönheit der entstehenden Beziehung zwischen einem jungen Soldaten und einem Baby. Das Leben gegen den Tod.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2012
Samuel Moser ist nicht zufrieden: Zwar zeichne Sillig in dieser Geschichte eines Mannes, der aus einem Raketenangriff mit dem Leben davonkommt und ein Baby vor dem Tod rettet, mit "starken Bildern" und in den knapp achtzig Seiten rege sich eine "archaische Kraft". Aber, ach, kaum wirft der Rezensent einen Blick unter die bedeutungsschwangere, metaphernreiche Oberfläche erblickt er da ein "konstruiertes Gerippe", das kaum zu tragen imstande sei, was ihm da aufgebürdet wurde. Auch dass Moser durch die zwar schrecklichen, aber "oft ins ästhetisch Harmlose" rutschenden Szenen in die Rolle des Voyeurs gedrängt werde, will ihn nicht recht erschrecken lassen, offenbare sich ihm darin doch immer nur das Kalkül des Autors. Die offenbar nur mäßig gelungene Übersetzung rundet das trübe Bild ab: Der Rezensent legt diesen Roman literarisch unbefriedigt zur Seite.
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