Der letzte Tag des Kartographen Wigand Behaim; die Metamorphosen der Sibylle Blauwelsch; das Martyrium der Heiligen Ursula und wie Schrödingers Katze ihnen allen übel mitspielt. Wigand Behaim ist Kartograf mit Leib und Seele und hat sich der Aufgabe verschrieben, die gesamte Erde akkurat zu kartieren. Er will damit seiner Urangst, sich zu verirren, etwas entgegensetzen. Wigands Lebenspartnerin Sibylle Blauwelsch wird von der Zeit durch immer neue Metamorphosen gepeitscht, lebt unter Guerilleros im mittelamerikanischen Dschungel, züchtet Rennkamele in der arabischen Wüste, macht Jagd auf den Schneelöwen und strandet als schwarzafrikanischer Flüchtling im Land der Berge und Zeiger. Es werden in diesem Buch so einige Laufkilometer Stoff besungen, und nur selten passt orientalischer Brokat zum schottischen Tweed. Wenn hier etwas verbogen wird, dann Zeiträume und Raumzeiten. Man erfährt endlich, wo Atlantis liegt, hört von der Globuskrankheit, von Schrebergärten, Expeditionen und Schneckenversuchen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2012
Nach der Lektüre von Ursula Timea Rossels Debütroman "Man nehme Silber und Knoblauch, Erde und Salz" weiß Rezensentin Beatrice Eichmann-Leutenegger: Bei dieser Autorin muss man sich auf einiges gefasst machen, denn nicht zu Unrecht bezeichne sie sich als "Kryptogeografin". Ihre Bücher müsse man nicht von vorne nach hinten lesen und im Grunde genommen reiche ihr auch ein einziger Leser, erfährt die Kritikerin bereits im Prolog. Derart gewarnt lässt sich die Rezensentin auf dieses neuartige Leseerlebnis ein und begleitet Rossel mal ins Jahr 2034, dann wieder ins Jahr 452, wo sie sich an ihr früheres Leben als Heilige Ursula und ihre Ermordung durch die Hunnen erinnere. Mit zunehmender Faszination lässt sich Eichmann-Leutenegger von den "barocken Schwelgereien" der Autorin in ein wahres "Reich der Anarchie" entführen und wünscht diesem Debütroman definitiv mehr als einen Leser.
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