Der letzte Band der Tagebücher zeigt den Dandy Oscar A. H. Schmitz als den modernen Menschen par excellence und die Boheme in den Wirren des Ersten Weltkrieges. Von seinen Obsessionen - dem Dämon Sexualität - getrieben, sucht Schmitz Zuflucht in einer psychoanalytischen Behandlung. Er beginnt seine Träume und Erinnerungen zu erforschen, vor den unbequemen Wahrheiten flüchtet er schon bald in Mystik und Astrologie. Im Mai 1915 fährt er als Kriegsberichterstatter an die französische Westfront.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.04.2008
Jens Malte Fischer feiert die zwischen 1896 und 1918 geführten Tagebücher Oscar H. Schmitz', die der Herausgeber Wolfgang Martynkewicz im Marbacher Archiv entdeckt hat, als Fund, zeigt sich dann aber von ihrem Inhalt mehr als nur ein bisschen enttäuscht. Schmitz galt seinen Zeitgenossen als sympathischer und verdienstvoller Reise-, Feuilleton- und Romanschriftsteller, der die Münchner Bohemeszene um 1900 belebte, teilt der Rezensent mit. Eine lebendige, facettenreiche Schilderung berühmter Zeitgenossen und interessanter Orte sucht man in den drei Bänden überwiegend vergebens, stattdessen ergeht sich der Autor besonders im ersten Band in der Schilderung erotischer Abenteuer, stellt Fischer unangenehm berührt fest. Er nimmt dabei deutlich misogyne und auch antisemitische Affekte wahr und vermisst schmerzlich tiefergehende Betrachtungen zu musikalischen und künstlerischen Erlebnissen oder erhellende Beobachtungen über Land und Leute auf seinen zahlreichen Reisen. Nur der dritte Band enthalte auch mal eine "schonungslose Selbstkritik", was in den beiden anderen Bänden fast völlig fehle, allerdings seien hier die persönlichen Erlebnisse derart verschlüsselt dargestellt, dass sie sich auch mit dem durchaus nützlichen Kommentar des Herausgebers nicht gänzlich aufklären ließen, so der Rezensent unzufrieden, der dem Romancier Schmitz gegenüber dem Tagebuchschreiber eindeutig den Vorzug gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.02.2008
Nicht wirklich erwärmen kann sich Oliver Pfohlmann für den Abschlussband der Tagebücher des Lebemanns Oscar A. H. Schmitz. Als "literarisches Ereignis" will er die Bände generell nicht gelten lassen, immerhin aber als instruktives "kultur- und mentalitätsgeschichtliches Dokument". Während in den vorangegangenen Bänden die Außenwelt und die zahlreichen Reisen des ebenso sexsüchtigen wie egomanen Literaten für Abwechslung sorgten, sieht Pfolmann im letzten Band eine eher dröge Reise ins Innere im Vordergrund. Er spricht von einer "forcierten Nabelschau", die die Lektüre für ihn oft genug zur Qual gemacht hat. Neben Berichten über eine Psychoanalyse beim Freud-Schüler Karl Abraham in Berlin hebt Pfohlmann insbesondere Schmitz? Kampf gegen seine Einberufung zum Militärdienst sowie seine Beschäftigung mit der Astrologie hervor. Ein großes Lob zollt der Rezensent dem ausgezeichneten Kommentar des Herausgebers Wolfgang Martynkewicz.
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