Oskar Negt

Gesellschaftsentwurf Europa

Plädoyer für ein gerechtes Gemeinwesen
Cover: Gesellschaftsentwurf Europa
Steidl Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783869304946
Gebunden, 120 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Dieses Buch tritt all denen entgegen, die den Europadiskurs auf ein finanzpolitisches Problem reduzieren wollen. Oskar Negt gibt sich nicht mit dem Blick auf Währungskurse zufrieden. Er blickt auf Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen in Europa. Was er da sieht, ist weit beunruhigender als Börsenentwicklungen es je sein könnten. Er sieht eine Kluft zwischen Reichen und Armen, zwischen politisch Mächtigen und politisch Ruhiggestellten. Er sieht Menschen, die vom Arbeitsmarkt zur Flexibilität gezwungen werden und, aus ihren Bindungen gerissen, von allen solidarischen Zusammenhängen abgekoppelt leben. Und er sieht eine Bildungspolitik, die sich nur noch um die Qualifikation für den Arbeitsmarkt kümmert, nicht jedoch um politische Urteilskraft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.11.2012

Oskar Negt bezeichnet sein Buch "Gesellschaftsentwurf Europa" selbst als Streitschrift, berichtet Christian Thomas. Es geht ihm darin um das Ende der nationalstaatlichen Souveränität, wie sie seit dem Westfälischen Frieden festgeschrieben steht und um eine soziale Basis für Europa, fasst der Rezensent zusammen. Die EU sei nur zukunftsfähig denkbar, wenn es einen europäischen Sozialstaat gäbe, der die jeweiligen Eigeninteressen untergräbt. Thomas meint, dass man falsch daran täte, Negts Gedanken leichtfertig wegzulächeln - ohne eine Massenbasis von Bürgern kann es keine Stabilität geben, ohne Würde und Anerkennung wiederum keine Bürger, erklärt der Rezensent. Negts Ausführungen kommen Thomas allerdings etwas zu leninistisch daher: "kollektive Lernprozesse" und genossenschaftlicher Gemeinschaftssinn sollen den "Bannkreis des Geldes" brechen. Dafür entschädige Negt wiederum mit schönen Formulierungen wie "Bildung ist Anlegen von Vorräten". Es ist auch eine Abrechnung mit dem Kapitalismus, in dem Arbeitsplätze zu Produktionsstätten der "Unsicherheit und Ungewissheit" geworden sind, verrät der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.07.2012

Welche Klarheit des Blicks! Heribert Prantl wundert sich nur, wie wenig davon den Europa-Denkern zuteil kommt. Wenn der Sozialwissenschaftler Oskar Negt den Grund, die Basis Europas sucht, stößt er schnell auf das Geheimnis: die soziale Gerechtigkeit. Den meisten aber geht es ums Geld und um die Finanzierbarkeit. Das ist Unsinn, meint Negt, Sozialpolitik rules! Und Prantl nickt. Den Zorn des Autors über so viel unmoralisches Handeln (etwa in Sachen Griechenland) kann er verstehen. Ebenso Negts durchaus anachronistische Gleichsetzung der Würde des Einzelnen mit der Würde des Gemeinwesens.

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