Unter Mitarbeit von Benjamin Gleede und Ulrich Moustakas.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2003
Als "gründlich und tiefgreifend" lobt Rezensent Martin Seils die Erschließung von Johann Georg Hamanns Kant-Schriften, die der Tübinger Theologe Oswald Bayer nach jahrzehntelanger Arbeit nun vorgelegt hat. Hamann, ein Zeit- und Ortsgenosse des Königsberger Philosophie-Giganten, hatte in seiner "Metakritik" der Kantschen Werke dessen These widersprochen, die "reine" Vernunft könne als solche das Material der Anschauung zu evidenten Gesetzmäßigkeiten verknüpfen, und dagegen betont, dass die Vernunft immer auf die Sprache angewiesen und an sie gebunden sei. Wie Seils ausführt, hat Bayer nicht nur den Wortlaut von Hamanns Texten philologisch sichergestellt, wobei er nicht nur zwei Entwurfstexte Hamanns zur "Metakritik" heranzog, sondern auch die Menge der Anspielungen fast vollständig entschlüsselt hat. Zudem lege Bayer dar, wie ausgreifend sich Hamann auf den Wortlaut von Kants "Kritik" und "Prolegomena" eingelassen hatte, und wie eng sein in den Kant-Schriften vorgetragener Sprachgedanke mit Hamanns Gesamtdenken verbunden war. Insgesamt kann Bayer nach Ansicht Seils zeigen, dass Hamanns Auseinandersetzung mit Immanuel Kant "bis heute bedeutungsvoll" ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2003
Der als Zollbeamter seinen Lebensunterhalt verdienende Philosoph Johann Georg Hamann lebte wie Immanuel Kant in Königsberg, war mit ihm befreundet und doch einer der unermüdlichsten Kritiker allzu optimistisch verstandener Aufklärung. Kritisch deutet er etwa Kants Schrift über die Aufklärung als "Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit" als selbst von Herrschaftsinteressen durchdrungen. Der Theologe Oswald Bayer stellt das Verhältnis der beiden dar, Kant als Puristen der Vernunft, Hamann als ihren Dialektiker. Von Nutzen sind vor allem die theologischen Kenntnisse des Verfassers, stellt der Rezensent Uwe Justus Wenzel fest - wenig aufschlussreich bleibe allerdings das, was Bayer über Kant zu sagen habe. Und das Verhältnis Kants und Hamanns zur Sprache - immerhin das zentrale Thema des Bandes - behandle Bayer in der Konstruktion eines allzu simplen Gegensatzes nicht mit der nötigen Komplexität.
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