In der Tugendlehre Kants findet die allgemeine ethische Orientierung, wie sie der Kategorische Imperativ ausdrückt, Anwendung auf die Bedingungen der menschlichen Existenz. Die vorliegende Untersuchung rekonstruiert den Kantischen Ansatz vor dem Hintergrund der gegenwärtigen, vor allem aristotelischen Tugendethik und löst dabei den Kantischen Tugendbegriff kritisch von seinen zeitbedingten Prägungen. Auf so erneuerter Grundlage wird eine transzendentalphilosophische Ethikkonzeption entfaltet, die den methodischen und inhaltlichen Einsichten der jüngeren Theorieentwicklung Rechnung trägt. Zu den Ergebnissen zählt die Bestimmung einzelner Tugenden, deren ethische Orientierung an konkreten Strukturen unserer alltäglichen Praxis demonstriert wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2004
Die 1791 erschienene "Tugendlehre" Kants wird, berichtet Michael Pawlik, gerne ignoriert, weder Gegnern noch Anhängern Kants passe sie "ins Konzept". Das "große Verdienst" dieses Buches von Andrea Marlen Esser erkennt der Rezensent daher darin, nachgewiesen zu haben, dass die "Tugendlehre" Kants keineswegs ein "Fremdkörper in Kants moralphilosophischen System" darstelle, sondern vielmehr "dessen unverzichtbaren Schlussstein". Esser zeige, berichtet der Rezsensent, dass Kant in seiner Tugendlehre darlege, "wie wir Menschen unser Leben gestalten müssen, um uns selbst und den anderen trotz aller äußeren Prägungen und Zwänge eine Dimension offenzuhalten, in der wir tatsächlich autonom und damit frei handeln können". Und damit, so lobt Pawlik, "dürfte in der Tat der Schlüssel zum Verständnis" des von Kant in seiner Tugendlehre präsentierten Tugend- und Lasterkatalogs gefunden sein.
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