Otto Kallscheuer

Die Wissenschaft vom Lieben Gott

Eine Theologie für Recht- und Andersgläubige, Agnostiker und Atheisten
Cover: Die Wissenschaft vom Lieben Gott
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783821845616
Gebunden, 486 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Wer die Theologie den Fernsehpredigern, den Drewermännern und dem Dalai Lama überlassen will, sei gewarnt. Dieses Buch ist dazu angetan, mit dem Dünndenken aufzuräumen. Es ist schon sonderbar, daß eine alte Leitwissenschaft, auf die sich die besten Köpfe Europas jahrhundertlang konzentriert haben, derart in Vergessenheit geraten ist. Ein Publikum, das sich aufgeklärt dünkt, scheint sich von einem der größten intellektuellen Abenteuer der europäischen Geschichte definitiv verabschiedet zu haben.
Otto Kallscheuers Buch wird diesem Zustand nicht abhelfen können. Aber es hat demjenigen viel zu bieten, der verstanden hat, dass die Religionen keineswegs vom historischen Horizont verschwunden sind - eher im Gegenteil. Kallscheuers Darstellung ist von einer gründlichen Quellenkenntnis gesättigt. Nicht nur werden die Positionen der großen Kirchenlehrer, der doctorum venerabilium von Augustinus bis Ratzinger erörtert. Auch Vergessene und Abweichler von Nikolaus von Kues bis Karl Barth kommen zu Wort, und zu jeder wichtigen Frage nimmt Kallscheuer in den Blick, wie die anderen Hochreligionen sie beantworten: der Islam, der Hinduismus und die buddhistischen Lehren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.09.2006

Für Rezensent Eckhard Nordhofen setzt dieses "in langen Jahren erbrütete" Buch ab sofort die Messlatte für die gesellschaftliche Debatte über Religion". Es gebe Antworten auf so viele Fragen der Zeit, dass Nordhofen es am liebsten allen Diskursteilnehmern als Pflichtlektüre verordnen möchte. Trotz seiner ernsten Themen und Argumente sei das Buch "federleicht" geschrieben. Zur Begeisterung des Rezensenten "zwinkert" der Text zwischendurch sogar immer wieder, und zwar selbst im Angesicht von Bibel und Koran, vor denen er den Autor einen regelrechten "Tanz der Argumente" vollführen sieht. Otto Kallscheuer spare auch nicht an Spott über Päpste und Jesuiten. ansprechend wie vergnüglich findet der Rezensent dann die "amüsante und treffende Zeitdiagnostik" zur Lifestylespiritualität von Kirchentagen und anderer religiöser Wellnessveranstaltungen. Es begeistern ihn aber auch Kallscheuers Fragen zur Religion im Zeitalter ihrer medialen Vermittlung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2006

Grundsätzlich mochte Rezensent Friedrich Wilhelm Graf diese in der Tradition der "theologica popularis" protestantischer Aufklärer verfasste "postmoderne Privattheologie", besonders für ihren "lockeren Ton". Der inzwischen fast sechzigjährige Philosoph und Publizist Otto Kallscheuer empfehle darin einen Reformkatholizismus, schreibt Graf. Kallscheuers Diskurs umfasst dem Rezesenten zufolge die großen Gottesdenker des christlichen Abendlandes von Aristoteles bis Assmann ebenso wie den islamischen Diskurs und eine sensible Zurkenntnisnahme innerjüdischer Kontroversen. Überraschend findet der Rezensent in diesem Zusammenhang allerdings, dass Kallscheuer Falsches oder schon Widerlegtes zur hebräischen Bibel sagt. Dem Rezensenten gefallen wiederum die entschiedenen Polemiken nach links und rechts, sowie gegen den "Wellness-Buddhismus" oder die "Lobbyisten der Lourdes-Industrie". Allerdings gibt es auch Punkte für eine Mängelliste, wozu umständliche Argumentation ebenso wie die Tatsache zählen, dass das Buch gegen Ende immer "formelhaftiger" und "fahriger" werde.

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