Zum ersten Mal erzählt Papst Franziskus die Geschichte seines Lebens anhand der Ereignisse, die die Menschheit in den letzten achtzig Jahren geprägt haben. Und er teilt mit uns die Ursprünge seiner Ideen, die sein Pontifikat auszeichnen: seine Appelle gegen Armut und Umweltzerstörung, seine Ermahnungen führender Politiker, in Fragen der Völkerverständigung, der Ungleichheit und der Rüstungspolitik einen Kurswechsel einzuschlagen. Vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939, als der zukünftige Papst knapp drei Jahre alt war, bis zum heutigen Tag führt uns Jorge Mario Bergoglio anhand seiner Erinnerungen durch die wichtigsten historischen Ereignisse unserer Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2024
Ziemlich harsch geht Rezensent Christian Geyer mit dem Buch Jorge Mario Bergoglios aka Papst Franziskus' ins Gericht, das eine Autobiografie genannt werden will, tatsächlich jedoch die Lebensgeschichte des Autors immer schon in weltgeschichtlichen Ereignissen aufgehen lässt. Dieses Vorgehen hat System, meint Geyer, Bergoglio legt Wert darauf, dass das Einzelschicksal immer schon mit dem Kollektivschicksal verknüpft ist. Das Problem laut Geyer: Wie soll, wenn eh alles mit allem zusammenhängt, eine spezifische Problemlage analysiert werden? Konkret macht der Rezensent das an Bergoglios Ausführungen zum Ukraine-Krieg fest, die auf Äquidistanz zu den Konfliktparteien beharrt und Russland nicht als Aggressor identifiziert. Der Versuch, Asymmetrisches zu symmetrisieren, ist de facto eben doch parteiisch, kritisiert Geyer. Dabei gebe es in der christlichen Friedensethik ja durchaus Gedanken dazu, wann Widerstand legitim ist, aber damit möchte sich der Papst offensichtlich nicht beschäftigen, meint ein enttäuschter Rezensent.
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