In Deutschland ist man an voreilige "Rücktritt?-Rufe gewöhnt. Doch selten ziehen Mandatsträger die Konsequenzen. Der ehemalige Bundespräsident der BRD Gustav Heinemann ist vor seinem Aufstieg ins höchste Staatsamt als Minister zurückgetreten, weil er Entscheidungen der Bundesregierung Adenauer nicht mittragen konnte. Roland Koch hat die Rücktrittsforderungen im Zuge der Parteispendenaffäre einfach ausgesessen. In seiner spannenden Sittengeschichte der bundesdeutschen Politik schildert das Autorenduo, warum Politiker zurücktreten oder "zurückgetreten werden? und was Parteifreunde, Medien oder die Opposition dazu beitragen
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2006
Ein "Sittengemälde der politischen Landschaft", wie es im Klappentext versprochen wird, ist Pascal Beuckers und Frank Überalls Zusammenstellung nicht, meint Cord Aschenbrenner. Dafür gründeln ihm die Autoren nicht tief genug nach den Gründen des Scheiterns der rund 40 vorgestellten Fälle. Die teils "spektakulären" Begleitumstände der einzelnen Demissionen versöhnen ihn aber wieder mit dem Buch, weil sich hierin durchaus eine "Kultur" des politischen Rücktritts herauskristallisiert. Die Auswahl findet er ebenfalls gelungen und "meistens interessant", nur das "nicht immer spannungsfreie Verhältnis" der Autoren zu Rechtschreibung und Grammatik vermag noch ein wenig zu stören.
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