Der personale und moralische Status des menschlichen Embryos gehört an erster Stelle zu den philosophisch völlig unbewältigten Problemen der bioethischen Literatur. Die bioethische Kompetenz aber der originalen, nichttransformierten Ethik Kants läßt sich v. a. an diesem Thema demonstrieren. Die von Kant herausgestellte moralisch-praktische Grundgewißheit der individuellen Autonomie und der Gemeinschaft der Autonomie beglaubigt die Idee des als Embryo im Werden begriffenen praktischen Subjekts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2004
Eine "sehr gehaltvolle Studie" sieht Rezensent Michael Pawlik in Peter Baumanns' Buch "Kant und die Bioethik", auch wenn er sie letztlich nicht ganz überzeugend findet. Was für ihn vor allem an einem Punkt liegt, dem Mangel an Konsequenz in der Argumentation. So weise Baumanns zunächst nach, dass nach Kant die Tötung von Embryonen nicht erlaubt sei, da bereits ihnen der Status als Person zukäme. "Wesen von der Art des Menschen sind auf unbegreifliche Weise, gleichsam faktisch, zur Freiheit bestimmt. Sie werden, wie auch immer, durch Zeugung als Person-in-der-Idee auf die Welt herübergebracht", zitiert er in diesem Kontext den Kant-Kenner. Zu seinem Bedauern möchte Baumanns aber doch noch die Kurve kriegen und Kant für die Bioethik einspannen. Der überraschte Leser erfahre, dass sich aus dem Umstand, dass schon dem frühen Embryo die Achtung der Menschenwürde gebühre, nicht schlussfolgern lasse, jeder verbrauchende Umgang mit Embryonen sei zu unterlassen. Pawlik hält Baumanns hier eine Überinterpretation des Textes vor, mit dem Ziel, Kants Lehre zu der herrschenden Abwägungsrhetorik hin zu öffnen. Das geht nicht an! Für Pawlik nämlich steht fest: "Bei Kant gibt es keine Kompromisse mit einem auf Embryonenverwertung drängenden Zeitgeist."
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