Zwischen 1983 und 2003 hat sich Peter Bichsel nicht oft, dafür aber dann, wenn es geschah, um so prägnanter in öffentlichen Reden mit Autoren und anderen nicht unbekannten Menschen, die es mit Büchern zu tun haben, auseinandergesetzt. Und immer sind dabei Texte entstanden, die von der Lust am Lesen erzählen, von der gefährlichen Leidenschaft, ja unheilbaren Sucht, Buchstaben, Wörtern und Sätzen verfallen zu sein. In seinen Reden über die Eröffnung einer Buchhandlung, zu einem Geburtstag des Verlegers Siegfried Unseld, über Jean Paul, Gottfried Keller und Peter von Matt zeigt Peter Bichsel, wie ernst und zugleich undogmatisch er mit Büchern umgeht und was ihm die "Solidarität der Leser" bedeutet: angesichts einer Lektüre mit jemandem zusammenzusein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2004
Ist nicht doch leichte Enttäuschung bei Sabine Doering zu bemerken? Zwar beeilt sie sich zu versichern, der Wert von Peter Bichsels gesammelten Reden aus zwei Jahrzehnten liege "in ihrem dokumentarischen Charakter", aber damit weist sie zugleich auf die Grenzen dieser Redensammlung hin, die häufig auf einen historischen Moment, für einen bestimmten Anlass geschrieben wurden. Das ist dann rückschauend rührend, so Doering, wie ein Schweizer Intellektueller Anfang der neunziger Jahre über den Mauerfall dachte. Überhaupt sind die meisten Reden Lobreden, nicht auf Personen, sondern die Literatur allgemein, denn Bichsel sei ein passionierter Leser, meint Doering, der nach wie vor an die sinngebende und gemeinschaftsstiftende Kraft der Literatur glaube. Tiefgreifende politische Analysen oder literaturhistorische Entdeckungen dürfe man sich von den Bichselschen Reden nicht versprechen, gesteht Doering und weist darauf hin, dass Bichsel mit Goethe beginnt und mit Martin Luther schließt - irgendwo dazwischen positioniere sich wohl auch der Leser und Autor Peter Bichsel, vermutet Doering.
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