Peter Felixberger, Armin Nassehi

Deutschland. Ein Drehbuch

Cover: Deutschland. Ein Drehbuch
Murmann Verlag, Hamburg 2016
ISBN 9783946514176
Kartoniert, 171 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Nichts überrascht mehr. Nirgends. Debatten. Überall. Sechs Drehbücher aus Deutschland. Die Welt ist schneller, bunter und unübersichtlicher geworden. Wir gehen förmlich unter in der täglich reißenderen Medien- und Informationsflut. Mit diesen Sätzen beginnt heute jede anständige Kulturkritik. Gleichzeitig passiert im öffentlichen Raum kaum mehr etwas Überraschendes. Alles, was passiert, ist im selben Moment bereits Schnee von gestern. Alles, was besprochen wird, ist längst bekannt. In den Zeitungen steht nur noch, was wir schon immer wussten. Das Neue verschleimt. Peter Felixberger und Armin Nassehi, die Herausgeber des Kursbuchs, legen deshalb die Mechanik öffentlicher Diskurse und zentraler Debatten frei. Sie beschreiben, dass solche Debatten aussehen, als folgten sie Drehbüchern und Skripten, freilich ohne zu behaupten, dass jemand sie geschrieben hätte. Sie arbeiten Rituale, Reflexe und Tiefenschärfungen heraus, Namen von Akteuren spielen dabei keine Rolle mehr. Jeder erfüllt seine Funktion im Diskurs. Das wirft Fragen auf: Aus welchen intellektuellen Quellen speisen sich die einzelnen Rollen? Wann und wie erfüllen sie ihre Aufgabe in der Kaskade öffentlicher Aufgeregtheiten und Dramatisierungen?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2016

Rezensent Johan Schloemann ist nicht einverstanden mit Peter Felixbergers und Armin Nassehis Debattenkritik. Die Idee, ein paar Typen deutscher Debattenkultur auftreten zu lassen, um die Erwartbarkeit und Belanglosigkeit ihrer Beiträge zu entlarven, findet Schloemann zwar ganz lustig. Die Umsetzung aber gelingt nicht, findet er, und damit fällt auch die Ausgangsthese in sich zusammen. Bei allem Witz und aller Klugheit so mancher Beobachtung im Buch, meint Schloemann, Debatten verlaufen nun mal in Konstellationen, argumentativ, personell, und Personen, Themen und Gedanken kehren wieder, für ihre Austauschbarkeit ist das jedoch kein Argument. Schlimmer noch: Was hier als "saucoole" Soziologie daherkommt, sieht laut Schloemann einer antidemokratischen Entlastungsstrategie zum Verwechseln ähnlich.

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