Wie gut kennen wir die, die wir am meisten lieben? Vom ersten Moment an hatte Richard Warlo seinen Ziehvater Pawel Król geliebt, diesen wie durch eine versteckte Seitentür in sein Leben eingetretenen Beschützer. Fasziniert von dessen Stärke und Verwegenheit genoss er es, wenn in der Hanauer Ankergasse die Polen zu Besuch kamen und geredet, gesungen und getrunken wurde. 25 Jahre nach Pawels Tod stößt Richard auf alte Fotos, die Pawel als jungen Mann in SS-Uniform zeigen. Sein polnischer Ziehvater ein Nazi? Wer war der Mann, der ihn wie einen Sohn erzog, mit ihm auf der Suche nach seltenen Schmetterlingen durch ganz Europa reiste und ihn die Poesie des Wagnisses lehrte?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2016
Peter Hennings Roman "Die Chronik des verpassten Glücks" verspielt leider sein Potential, findet Rezensent Hans-Peter Kunisch. Denn das Buch, das sich aus beiden Perspektiven mit der deutsch-polnischen Verständigung auseinandersetzt, ist zu voll an dramaturgischen Tricks und in seiner abschließenden Botschaft doch zu wenig ertragreich, findet Kunisch. Vor allem erscheint ihm der Plot nicht besonders glaubwürdig: Dass der deutsche Richard, der sich hier auf die Spuren seines polnischen Ziehvaters Pawel begibt, um dessen mögliche SS-Vergangenheit zu ergründen, seine Recherchen aufgibt, als er von dem baldigen Tod von Pawels Exfrau Oliwia erfährt, überzeugt den Rezensenten ebenso wenig wie die finale Auflösung des über vierhundert Seiten aufgebauten Romankomplexes.
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