Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland sind heute Polen, sprechen Polnisch oder stammen aus Polen. Damit sind sie nach den Türken die größte Einwanderergruppe. Peter Oliver Loew beschreibt erstmals die Geschichte dieser unsichtbaren Minderheit vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Seit Jahrhunderten leben Polen und Polinnen in Deutschland, nach den Teilungen Polens im 18. Jahrhundert hatte eine Zeitlang sogar mehr als ein Drittel der Einwohner Preußens Polnisch als Muttersprache. Mit der Industrialisierung setzte die polnische Massenwanderung in die deutschen Industriezentren ein und hunderttausende Saisonarbeiter bevölkerten die ostelbischen Güter. Im Zweiten Weltkrieg verschleppte NS-Deutschland Millionen von Polen ins Reich, von denen nach Kriegsende gar nicht wenige in Deutschland strandeten. Vertriebene, Spätaussiedler, Flüchtlinge, Erntehelfer und viele andere kamen später hinzu. Polen sind aus Deutschland nicht mehr wegzudenken, auch wenn sie oft gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2014
Von vorneherein stellt Peter Oliver Loew klar, dass es bei einer "Geschichte der Polen in Deutschland" definitorische Schwierigkeiten gibt, denn weder 'Polen/polnisch' noch 'Deutschland/deutsch' seien scharf bestimmbar, berichtet Marta Kijowska. Also versucht sich der Historiker in "Wir Unsichtbaren" an konkrete Zahlen und Kategorien zu halten, deren Grundlagen er, so gut es eben geht, methodisch reflektiert, erklärt die Rezensentin. Bei diesem Vorgehen darf man allerdings nur wenige genuin erzählende Einschübe erwarten, warnt Kijowska, die sich umso mehr über die wenigen gefreut hat, die es gibt, zum Beispiel über Stanislaw Przybyszewski, der etwa mit der Aussage, "Satan sei das ewig Böse, und das ewig Böse sei das Leben", die Leser des Fin de Siècle begeisterte, weiß die Rezensentin, die sich mehr dieser Episoden gewünscht hätte.
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